Dienstag, 16. April 2024
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Experten schlagen Alarm: HIV-PrEP-Engpass in Deutschland

Die Prä-Expositionsprohylaxe ist einer der wichtigsten Bausteine im Kampf gegen HIV. In Deutschland gibt es aber einen dramatischen Engpass an den dafür notwendigen Medikamenten - für Expert:innen keine Überraschung.

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Die Arbeitsgemeinschaft ambulant tätiger HIV-Mediziner:innen (dagnä) schlägt Alarm: „Es gibt in Deutschland nicht mehr genug Medikamente zur HIV-Prophylaxe, um alle Nutzer*innen zu versorgen“, so die Arbeitsgemeinschaft ambulant tätiger Ärztinnnen und Ärzte für Infektionskrankheiten und HIV-Medizin (dagnä).

Fast 90 Prozent der HIV-Schwerpunktpraxen sind von dem Engpass betroffen

Fast 90 Prozent der HIV-Schwerpunktpraxen in Deutschland melden, dass sie von Lieferengpässen der Wirkstoffkombination Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil betroffen seien. Diese Kombination ist die einzige, die in Deutschland für die HIV-Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) zugelassen ist.

Rund 56 Prozent der Praxen gaben an, nur mehr kleinere Packungsgrößen zur Verfügung stellen zu können. Und 36 Prozent gaben an, dass PrEP-Nutzer aufgrund des Mangels bereits die regelmäßige Einnahme des Medikaments unterbrechen mussten.

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Der Engpass gefährdet auch die Gesundheit von Menschen mit HIV

Auch HIV-Infizierte sind von dem Wirkstoffmangel betroffen: Weil die Kombination auch in der Behandlung von HIV eingesetzt wird, mussten 28 Prozent der befragten HIV-Schwerpunktpraxen in Deutschland deshalb – wenn möglich – auch Therapien umstellen.

Für jene HIV-positiven Menschen, die die Wirkstoffe m Rahmen einer sogenannten Salvage-Therapie einnehmen, also wenn andere Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind, ist die Situation besonders bedrohlich. 

Die Warnungen verhallten über Monate ungehört

„Wir sind an dem Punkt, vor dem Praxen und Apotheken seit Monaten warnen“, so dagnä-Vorstandsmitglied Stefan Mauss. Sein Verband sowie die Deutsche Aids-Gesellschaft und die Arbeitsgemeinschaft HIV-kompetenter Apotheken (DAHKA) haben das Gesundheitsministerium (BMG) bereits im November über die Gefahr von Lieferengpässen informiert. Nun geben 90 Prozent der DAHKA-Apotheken an, die Wirkstoffe nicht mehr auf Lager zu haben.

Schätzungen zufolge schützen sich in Deutschland knapp 40.000 Menschen mit einer PrEP vor einer HIV-Infektion. Durch den Medikamenten-Engpass sei deshalb ein Anstieg an Neuinfektionen praktisch unvermeidlich, befürchtet Mauss. Das wäre ein „Rückschlag für die jahrelange erfolgreiche Präventionsarbeit“.

Doch das Ministerium hat bis jetzt noch nicht reagiert. „Es wirkt so, als kümmere sich das BMG nicht um das Problem“, so Mauss. Die Politik müsse jetzt handeln, damit der Schaden nicht noch größer werde, so der Mediziner. Nun will das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit dem Ministerium klären, ob ein offizieller Versorgungsmangel ausgesprochen werden sollte. So könnten weitere Maßnahmen eingeleitet werden, um die Medikamente zu beschaffen.

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