Donnerstag, 18. Juli 2024
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Lieferengpässe gefährden HIV-PrEP in Deutschland

HIV-Spezialist:innen in Deutschland warnen: Die Medikamente für die HIV-Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) sind derzeit nur schwer zu bekommen, es drohen Lieferengpässe.

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Es ist ein lauter Aufschrei: In einer gemeinsamen Mitteilung warnen die Deutsche Aids-Gesellschaft, die Vertretung ambulant tätiger HIV-Mediziner*innen (Dagnä) und die Arbeitsgemeinschaft HIV-kompetenter Apotheken (DAHKA) vor Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten für die HIV-Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP). Diese soll HIV-negative Menschen vor einer Infektion schützen und gilt als wichtiges Element im effektiven Kampf gegen HIV und Aids.

Apotheker versuchen, Löcher zu stopfen: „Uns gegen die Vorräte aus“

„Uns gehen die Vorräte aus, wir können gerade nur irgendwie versuchen, die Löcher zu stopfen“, so der Kölner Apotheker Erik Tenberken, der auch im Vorstand der DAHKA ist. „Wir hören zum Teil, dass es erst Ende Januar wieder Nachschub geben soll“, berichtet er. Viele Kollegen könnten seit Wochen ihre Patienten nicht mehr versorgen, im Markt mache sich „Panik breit“.

Viele Hersteller würden gar nicht mehr liefern, andere viel weniger als vorher. „Wir können nicht abwarten, bis wir komplett ohne dastehen“, so Tenberken. Mittlerweile ist auf einer Liste für Lieferengpässe, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte verwaltet wird, zumindest das Medikament eines PrEP-Herstellers aufgeführt.

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Die Kosten für die Medikamente steigen, die Preise sinken

Der Grund für den Engpass ist der gleiche, weswegen es auch Lieferschwierigkeiten für andere Medikamente wie Fieber- oder Schmerztabletten gibt. Die Kosten für die Hersteller steigen, die Preise sinken. Und der zuständige Gesundheitsminister Lauterbach neige laut Tenberken dazu, „alles zu negieren“.

Nach Recherchen des Tagesspiegel haben auch Apotheken in Berlin Engpässe bei den PrEP-Medikamenten, bis jetzt konnten aber alle Kunden versorgt werden. Sollte das nicht mehr der Fall sein, wäre das HIV-Expert:innen zufolge „eine Katastrophe für die HIV-Prophylaxe in der Stadt“ – nutzen doch mehr als 10.000 Menschen in Berlin die PrEP.

Ein Anstieg der HIV-Neuinfektionen droht

Auch Dagnä-Vorstandsmitglied Stefan Mauss warnt eindringlich: „Uns droht ein Anstieg der HIV-Neuinfektionen.“ Er weist darauf hin, dass sich immer mehr Menschen mit PrEP schützten und dieser Trend durch den Engpass in Gefahr sei.

Seit 2019 ist die PrEP in Deutschland eine Kassenleistung. Deutschlandweit nutzen einer Schätzung des Robert Koch-Instituts zufolge fast 40.000 Menschen die PrEP. Fast alle davon sind Männer, die Sex mit Männern haben. Ein Drittel der Verschreibungen kommt demnach allein aus Berlin, gefolgt von Nordrhein-Westfalen. Schlusslichter bei den Verordnungen sind Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Thüringen.