Samstag, 20. April 2024
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Nach schwulenfeindlichen Sprechchören: Bundesliga ermittelt gegen Rapid-Spieler

Sportlich lieferte Rapid am Wochenende mit dem ersten Derby-Sieg im Allianz-Stadion eine Glanzleistung. Menschlich eher weniger - das liegt auch an schwulenfeindlichen Gesängen der einzelnen Spieler nach dem Match.

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Rapid gegen die Austria – das ist in Österreich die Mutter aller Fußball-Derbys. Zum ersten Mal seit der Eröffnung des Allianz-Stadions im Jahr 2016 konnte Rapid die Austria auf eigenem Rasen schlagen – und das gleich mit 3:0.

Geschäftsführung, Co-Trainer und Spieler skandierten die skandalösen Sprüche

Im Gespräch ist der historische Triumph allerdings wegen der Beleidigungen und schwulenfeindlichen Gesänge – die diesmal nicht von den Ultras kamen, sondern von Geschäftsführung, Co-Trainer, Kapitän und Starspieler. Das belegen mehrere Aufnahmen, die seit Montag kursieren.

Bereits am Montag musste sich Geschäftsführer Steffen Hofmann beim Lokalrivalen offiziell entschuldigen, weil er diese per Megafon als „Arschlöcher“ bezeichnet hatte. „Bei aller Rivalität war und ist das nicht angebracht“, musste er kleinlaut gestehen. Die Austria hat diese Entschuldigung zur Kenntnis genommen.

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„Wir sind keine orschwoarmen Veilchen“

Doch zu einem größeren Problem für Rapid dürfte die Entgleisung von Co-Trainer Stefan Kulovits und Kapitän Guido Burgstaller werden. Diese intonierten – ebenfalls per Megafon – gemeinsam mit Fans Sprechchöre wie „Favoriten ist der größte Hurnsbezirk“ und „Wir sind keine orschwoarmen Veilchen“.

Die kultigen Rapidler Part 2… #faklive pic.twitter.com/KA5ATciWT2

— Simon1911 (@simon19111911) February 26, 2024

Unterstützt wurde der schwulenfeindliche Gesang dabei von Starspieler Marco Grüll, der im Sommer zu Werder Bremen wechseln soll. Dass Rapid sich offiziell an Aktionen gegen Homophobie im Fußball beteiligt, wird durch solche Momente zu einem reinen Lippenbekenntnis.

Nun versuchen alle Beteiligten, den Schaden zu begrenzen

Rapid versucht nun, den Schaden zu begrenzen. „Das Präsidium des SK Rapid verurteilt die jüngsten homophoben Äußerungen (…) auf das Schärfste“, heißt es in einer Mitteilung des Clubs. Präsident Alexander Wrabetz kündigte eine interne Aufarbeitung der Causa an.

Noch am Dienstag entschuldigte sich Kulovits in einer Aussendung. „In der Emotion nach dem befreienden Derbysieg haben wir einen großen Fehler gemacht“, heißt es. Er betont: „Der von uns wiedergegebene Fangesang steht in absolutem Widerspruch zu unseren Werten als Verein und zu meinen persönlichen, die ich in mehr als zwei Jahrzehnten im Profifußball vorgelebt habe und weiterhin vorleben möchte.“

Was sind die Entschuldigungen und Distanzierungen wert?

Kleinlaut äußert sich auch Rapid-Kapitän Guido Burgstaller, der in seiner Karriere auch bei Schalke 04 und dem äußerst queerfreundlichen FC St. Pauli gespielt hat. „Wir möchten uns auf diesem Wege auch klar von jeglicher Diskriminierung und Homophobie distanzieren und uns bei allen entschuldigen, die wir durch unser Verhalten direkt oder indirekt beleidigt haben“, wird er zitiert.

„Wir als Spieler haben eine gewisse Vorbildfunktion und dieser wurden wir in dieser Situation keinesfalls gerecht. Dafür kann ich mich nur aufrichtig entschuldigen und versichern, dass wir die vollen Konsequenzen dafür tragen“, fügt Grüll auf seinem Instagram-Account hinzu. Deutschen Medienberichten zufolge musste er wegen der Causa auch schon bei seinem künftigen Verein Werder Bremen zum Rapport. Dabei soll er „Einsicht“ gezeigt haben.

Der Hauptsponsor ist wütend, der Strafsenat der Bundesliga ermittelt

Und auch die Wien Energie, Hauptsponsor von Rapid Wien, stellt dem Verein die Rute ins Fenster. „Wien Energie setzt sich für Vielfalt und gegen jede Art von Diskriminierung ein. Die Äußerungen, die in den letzten Tagen von einzelnen Rapid-Spielern und Funktionären bekannt geworden sind, passen damit nicht zusammen und entsprechen nicht unseren Werten“, heißt es in einem Statement. Man werde „das Gespräch“ mit Rapid suchen.

Mittlerweile ermittelt bereits die Bundesliga. Alle Spieler und Funktionäre, die auf den Videos zu sehen sind, seien beim Strafsenat der Liga wegen Ehrverletzung und Diskriminierung angezeigt worden. Konkret sind das Steffen Hofmann, Stefan Kulovits, Guido Burgstaller, Marco Grüll, Thorsten Schick, Maximilian Hofmann und Niklas Hedl.

Wie ernst die Causa genommen wird, werden die Konsequenzen zeigen

Es ist nicht das erste Mal, dass es im Umkreis von Rapid Wien schwulenfeindliche Äußerungen gibt. Im Februar 2018 hatten Rapid-Anhänger ein homophobes und gewaltverherrlichendes Transparent gezeigt. Auch der damalige Geschäftsführer Christoph Peschek betonte damals: „Jegliche homophobe Anspielungen sind mit dem Leitbild des SK Rapid nicht vereinbar“.

Wie ernst Rapid Wien und die Bundesliga diese Causa nehmen, werden die Konsequenzen zeigen, die daraus gezogen werden. Ein Blick nach Frankreich zeigt: Dort wurden im November 2023 die Spieler Randal Kolo Muani, Ousmane Dembele, Achraf Hakimi und Layvin Kurzawa von Paris St-Germain für eine Partie gesperrt, weil sie sich an schwulenfeindlichen Fangesängen beteiligt hatten. Die Fantribüne hinter dem Tor blieb für zwei Spiele geschlossen.

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