Montag, 27. Mai 2024
Der Roman bietet eine oft vernachlässigte Perspektive auf Themen wie Selbstbestimmung und Freiheit in der queeren Welt.
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Wenn eine kurze Begegnung das Leben verändert

Surrey County in England, im Jahr 1975: An seinem 18. Geburtstag beobachtet Colin am Box Hill, einem Biker-Treffpunkt südlich von London, neugierig die starken Kerle im Motorrad-Outfit. Noch weiß er nicht, dass dieser Tag sein Leben für immer verändern wird.

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„Box Hill“ von Adam Mars-Jones ist ein komplexes, kompaktes Werk, das Ende der 1970er Jahre in der schwulen Bikerszene spielt. Es erzählt die Geschichte von Colin, einem jungen Mann, der an seinem 18. Geburtstag in Box Hill zufällig auf Ray trifft, einen älteren, charismatischen Anführer einer lokalen Biker-Gang.

Eine zufällige Begegnung verändert das Leben von Colin komplett

Diese zufällige Begegnung führt dazu, dass Colin sofort bei Ray einzieht und eine Beziehung der totalen Unterwerfung beginnt, die sechs Jahre andauern wird. Mars-Jones porträtiert eine Liebe, die Fragen nach Macht, Selbstachtung und Zugehörigkeit aufwirft und die zutiefst berührt und beunruhigt.

Die Beziehung zwischen Colin und Ray ist von einer deutlichen Schieflage geprägt, die Colins tiefe Unsicherheit und Rays dominante Persönlichkeit widerspiegelt. Colins rückblickende Erzählung im mittleren Alter lässt die Leser:innen zwischen den Zeilen seiner anhaltenden Verehrung für Ray lesen und deutet auf eine komplexe Dynamik hin, die sowohl erschreckend als auch faszinierend ist.

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Durch die subtile Erzählweise von Mars-Jones gewinnt die Beziehung an Komplexität

Trotz Colins scheinbarer Naivität und Unterwürfigkeit zeigt Mars-Jones‘ subtile Erzählweise, dass die Beziehung zwischen den beiden Männern tiefer und komplexer ist, als es auf den ersten Blick scheint.

Der mit dem Fitzcarraldo Editions Novel Prize 2019 ausgezeichnete Roman ist nicht nur eine Erzählung über die Dynamik einer ungleichen Liebesbeziehung, sondern auch ein scharfsinniges Porträt einer vergangenen Epoche und Kultur. Durch Colins Augen entsteht ein nostalgisches und zugleich kritisches Bild der schwulen Subkultur der 1970er Jahre in England.

Mars-Jones gelingt es, die Leser:innen mit einer Montage minutiöser Alltagsbeobachtungen zum Nachdenken über schwierigste menschliche Situationen anzuregen. Dabei scheut er sich nicht, Themen wie sexuellen und emotionalen Missbrauch anzusprechen.

Eine knappe, aber tiefgründige Erzählweise, die Raum für Interpretationen lässt

„Box Hill“ zeichnet sich durch seine knappe, aber tiefgründige Erzählweise aus, die den Leser:innen viel Raum für Interpretationen lässt. Die Beziehung zwischen Colin und Ray, die durch eine Mischung aus Hingabe, Missbrauch und schließlich einer Form von Zuneigung gekennzeichnet ist, lädt dazu ein, über das Wesen von Liebe, Macht und Abhängigkeit nachzudenken.

Dabei nutzt der Autor die Kürze des Romans als eine Art „freundliche Waffe“, um eine sowohl verdichtete als auch ausschweifende Geschichte zu erzählen und die Leser:innen geschickt durch die komplexen Emotionen und Erfahrungen seiner Figuren zu führen.

Intime Einblicke und tiefgründige Fragen

Insgesamt ist „Box Hill“ ein herausforderndes, aber lohnendes Leseerlebnis, das die Leser:innen dazu anregt, über die Grenzen der Liebe, den Wert des Selbst und die Komplexität menschlicher Beziehungen nachzudenken. 

Mars-Jones gelingt es, eine Geschichte zu erzählen, die sowohl intime Einblicke in das Leben ihrer Figuren gewährt als auch tiefgründige Fragen über das Wesen menschlicher Bindung und Identität aufwirft.

Buchtipp
Adam Mars-Jones
Box Hill
Roman | 144 Seiten | Albino Verlag
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