Sonntag, 26. Mai 2024
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[Video] Nemo gewinnt für die Schweiz den queersten Song Contest aller Zeiten

Zum ersten Mal in der Geschichte des Song Contest gibt es einen nicht-binären Gewinner. Einige Favoriten konnten die Erwartungen erfüllen, andere nicht.

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Es war wohl der queerste Eurovision Song Contest (ESC) aller Zeiten, der am Samstag in Malmö stattgefunden hat: Zwei nicht-binäre Teilnehmende, Olly Alexander für Großbritannien, Silvester Belt für Litauen, eine Gay-Pride-Hymne aus Spanien und Regenbogenflaggen an allen Ecken und Enden des Green Room.

Pride von der Flaggenparade bis zum Gewinnerlied

Wie queer der Bewerb dieses Jahr war, zeigte sich schon bei der Flaggenparade zu Beginn, als der Schweizer Teilnehmer Nemo etwa die Landesflagge auf dem Rücken trug und vor der Brust stolz die Nicht-Binären-Flagge. Schließlich konnte Nemo auch mit dem Titel mit „The Code“ den ESC für sich entscheiden. Das Gewinnerlied einer Mischung aus Pop, Rap, Oper und Drum’n’Base, in der es um Demos Coming-out als nicht-binär geht.

Nemo, 24 Jahre und aus der Schweizer Stadt Biel, überzeugte mit der stimmlich anspruchsvollen Nummer sowohl Jury als auch Zuseher:innen des ESC: Insgesamt gab es 591 Punkte, davon 365 von den Expert:innen. Insgesamt 22 Mal gab es von den Länderjurys die Höchstpunktezahl.

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Im Siegestaumel demolierte Nemo die Glastrophäe

Von Loreen, die im Vorjahr mit „Tattoo“ gewonnen hatte, bekam Nemo die Glastrophäe – die er in der Aufregung dann allerdings zerbrach. „Ich habe viele neue Freunde gemacht – und das ist wunderschön“, fasste er bei der Pressekonferenz nach dem Bewerb seine Zeit in Malmö zusammen.

„Ich hoffe, dass dieser Wettbewerb sein Versprechen einlösen kann, Frieden und Würde für alle zu schaffen“, kommentierte Nemo seinen Sieg. Den Song Contest als erste nicht-binäre Person gewonnen zu haben sei überwältigend und bedeute viel.

Nemo reiht sich jetzt neben Lys Assia und Céline Dion ein

Es ist das dritte Mal, dass die Schweiz den ESC gewinnt: So gewann das Alpenland den allerersten Song Contest 1956 in Lugano mit Lys Assia, 1988 gewann die damals noch unbekannte Céline Dion mit „Ne partez pas sans moi“.

„Meinen Namen zusammen mit Céline fucking Dion zu hören – what the fuck. Ich glaube, das ist für de Schweiz ganz besonders“, konnte Nemo noch immer überwältigt und nicht ganz jugendfrei den Sieg bei der Pressekonferenz noch immer nicht ganz glauben.

Mitfavorit Kroatien erreichte den zweiten Platz, die Ukraine überraschte auf Rang 3

Platz zwei ging an Kroatien, das ebenfalls als Favorit gehandelt wurde: Baby Lasagna landete mit dem traditionell angehauchten Crossover-Song „Rim Tim Tagi Dim“ bei der Jurywertung auf dem dritten Rang, das Publikumsvoting gewann er sogar mit 337 Punkten.

Auf dem dritten Rang landete die Ukraine mit 307 Punkten. Alyona Alyona und Jerry Heil boten mit „Teresa & Maria“ eine stimmige Mischung aus Rap und Pop. Hinter ihnen war Frankreich, Slimane überzeugte mit „Mon amour“ vor allem die Fachjurys. Platz fünf ging an Israel mit 375 Punkten – vor allem dank der 323 Publikumspunkte.

Platz sechs für Bambi Thug, nur 46 Punkte für Olly Alexander und seine Tänzer

Bambi Thug, ebenfalls nicht-binär und aus Irland, landete mit dem etwas schwer zu verarbeitenden Song „Doomsday Blue“ auf dem guten sechsten Platz. Thun, die sich selbst als „Hexe“ bezeichnet, dürfte eine Fangemeinde aufgebaut und auch bei der Abstimmung aktiviert haben.

Deutlich hinter den Erwartungen blieb hingegen Großbritannien: Olly Alexanders „Dizzy“ bekam trotz vier sexy Boxer-Tänzern nur 46 Punkte und landete auf Platz 18 – die stimmliche Leistung konnte live nicht wirklich überzeugen. Noch vor ihm war Silvester Belt, der wohl quererste Künstler, den Litauen je zum Song Contest geschickt hatte. Er erreichte mit dem Lied „Luktelk“ Rang 14.

Weit abgeschlagen auch die ältesten Teilnehmer:innen des diesjährigen Felds: Von der Halle, wo sie lautstark gefeiert wurden, sprang beim spanischen Duo Nebulossa der Funke weder auf die Jurys noch auf das TV-Publikum über. Mit „Zorra“ landeten sie gerade auf Platz 22. Ein kleiner Trost: Die Nummer dürfte dieses Jahr bei sämtlichen Gay Prides Spaniens in Dauerschleife laufen.

Ebenfalls gute Stimmung in der Halle und wenig Punkte gab es für Österreich: Kaleen landete trotz einer energiegeladenen Performance mit „We Will Rave“ mit 24 Punkten auf dem vorletzten Platz.