Montag, 27. Mai 2024
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Operation für Transgender nicht mehr verpflichtend

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Zum ersten Mal hat das Innenministerium Transgender-Personen einen Geschlechtswechsel ohne Genitaloperation anerkannt.

„Ich bin zutiefst erleichtert, dass die Sache ausgestanden ist. Und ich freue mich sehr über das Happy End“, sagt Michaela P. gegenüber der Tageszeitung „Der Standard“. Damit gilt die als Mann geborene und seit Jahren als Frau lebende P. nun auch offiziell als Frau und darf ihren Vornamen Michaela nun auch ganz offiziell führen.

Bis jetzt war eine Genitaloperation Voraussetzung für eine Änderung des Geschlechts im Personenstandsregister. Diese Praxis hat das Innenministerium nun geändert: „Die geschlechtsanpassende Operation ist nicht länger Voraussetzung für eine Personenstandsänderung vom einen zum anderen Geschlecht“, so Sprecher Rudolf Gollia.

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Ganz freiwillig war dieses Umdenken nicht: Der bekannte Community-Anwalt Helmut Graupner hat für Michaela P. vor dem Verwaltungs- und Verfassungsgerichtshof Urteile erstritten, dass eine Operation für eine amtliche Geschlechtsänderung nicht zwingend notwendig ist. Volksanwältin Terezija Stoisits hat gleichzeitig geprüft, ob die vorenthaltene Personenstandsänderung „einen Missstand in der Verwaltung darstellt“.

Graupner spricht von einem „großen Erfolg“ – dass die Höchstgerichte sich in ihrer Entscheidung einig waren, war für ihn ein Meilenstein: „Der Spruch, der die Abkehr vom Operationszwang erneut bekräftigt hat, ist in Rekordtempo erfolgt – für das Ministerium diesmal offenbar überzeugend.“

Michaela P. kostete diese Erkenntnis vier Jahre Zeit, 38.000 Euro, und vermutlich auch ihren Job: Ende 2009 kündigte sie jene international tätige Firma, bei der sie als Geschäftsführerin tätig war. Den Arbeitgebern sei ihre äußerliche Veränderung bei gleichbleibend männlichem Personenstand zunehmend inakzeptabel erschienen, vermutet sie.