Montag, 17. Juni 2024
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Oswalt Kolle ist tot

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Oswalt Kolle ist tot. Der „Aufklärer der Nation“, wie er in Deutschland genannt wurde, starb bereits am 24. September wenige Tage vor seinem 82. Geburtstag in Amsterdam, wo er seit 1969 lebte. Heute fand die Trauerfeier statt, nach der seine Angehörigen den Tod Kolles bekannt machten.

Einem breiten Publikum bekannt wurde der Sohn des Psychiaters Kurt Kolle in den 60er-Jahren durch seine Aufklärungs-Serien in der Zeitschrift „Quick“ bekannt. Der große Durchbruch gelang ihm mit seinen Aufklärungsfilmen, in denen er sich zwischen 1968 und 1972 locker, aber dennoch wissenschaftlich, mit dem Thema Sexualität beschäftigte. In ihrer Offenheit damals einmalig, waren sie konservativen Kreisen suspekt: Sie warfen Kolle vor, gegen Sitte und Moral zu verstoßen. Die Kinosäle waren trotzdem voll: Mehr als 140 Millionen Menschen sollen weltweit seine Filme gesehen haben.

Kolle stand immer offen zu seiner Bisexualität. So nahm er zum Beispiel im Jahr 1996 am 4. internationalen bisexuellen Syposion (IBIS) in Berlin teil. Dieses stand unter dem Motto „The many faces of bisexuality – Vielfalt bisexueller Beziehungen“.

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Auch die Homosexuellenbewegung hat Kolle viel zu verdanken: In einer sexualfeindlichen Zeit, in der gleichgeschlechtliche Liebe ein Verbrechen warm entkrampfte er die gesellschaftliche Atmosphäre. Im Jahr 2000 wurde er von der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS) mit der Magnus-Hirschfeld-Medaille für Sexualreform geehrt. Es war die größte Auszeichnung, die Kolle in seiner Heimat erhielt. Das offizielle Deutschland hat ihn nie geehrt. Vielleicht hat er auch deshalb die deutsche Staatsbürgerschaft zurückgegeben – er schätzte dafür seine Wahlheimat Holland für ihre Liberalität und Toleranz.

Privat war er 47 Jahre mit seiner Frau Marlies verheiratet. Sie starb im Jahr 2000 an Krebs. Die beiden hatten drei Kinder. In einem berührenden Outing im Jahr 2008 sprach Kolle über ihren Tod – und die Sterbehilfe, die sie von ihren Leiden erlöste.