Hass-Verbrechen erschüttern New York

Lesben und Schwule an der liberalen US-Ostküste fürchten eine Rückkehr homophober Gewalt. So hat es in den letzten Wochen mehrere gewalttätige Übergriffe auf Schwule in New York und dem US-Bundesstaat New Jersey gegeben. „Wir leben in einer schlimmen Zeit“, beklagt Steven Goldstein von der lesbischwulen Bürgerrechtsbewegung „Garden State Equality“.

So hat beispielsweise in New York die Polizei neun junge Männer zwischen 16 und 23 Jahren festgenommen, die mehrere Schwule quälten. So entführten sie im Stadtteil Bronx einen 17-Jährigen, von dem sie hörten, dass er schwul sein soll, und brachten ihn in eine verlassene Wohnung. Dort zogen sie ihn aus, schlugen in zusammen und wollten Details über seine Beziehung zu einem 30-Jährigen wissen. Dann penetrierten sie ihn mit dem hölzernen Stiel einer WC-Saugglocke.

Ähnlich gingen sie mit einem zweiten 17-Jährigen um, bevor es ihnen gelang, jenen 30-Jährigen in die Wohnung zu locken, der offenbar Kontakt mit den beiden Burschen hatte. Die Gang zwang den zweiten 17-Jährigen, den Mann ins Gesicht zu schlagen, ihn schwulenfeindlich zu beschimpfen und ihn mit einer Zigarette zu verbrennen – auch am Penis. Dann schlug die Gruppe mit einer Kette auf den Mann ein und vergewaltigte ihn mit einem Baseball-Schläger.

Die Bande nahm dem Mann seine Schlüssel weg und brach in seine Wohnung ein. Dort fanden sie seinen ältereren Bruder, den sie ebenfalls schlugen. Nachdem er sich weigerte, das Versteck für Bargeld zu nennen, hielten ihm die Jugendlichen ein Handy ans Ohr, und er musste sich anhören, wie die Gang seinen Bruder quälte. Die Bande flüchtete schließlich mit 1.000 Dollar und einem Fernseher.

Den 30-Jährigen stießen die Jugendlichen lebensgefährlich verletzt vor der eigenen Einfahrt aus dem Auto. Aus Scham schwiegen die Opfer zunächst über die Hintergründe der Tat. Nach einigen Tagen erzählten sie Krankenhausangestellten und der Polizei die ganze Geschichte, daraufhin konnten die Jugendlichen festgenommen werden. Ray Kelly, Sprecher der New Yorker Polizei, ist entsetzt: „Dies war eine Reaktion auf die Tatsache, dass die Männer gleichgeschlechtlichen Sex hatten.“ Die Taten der Burschen gelten als Hate Crime, das heißt, dass sie noch schärfer bestraft werden.

Und dieser Fall ist nicht der einzige, der die New Yorker Community erschüttert: So wurde am letzten Wochenende ein schwuler Student von zwei jungen Männern zusammengeschlagen – ausgerechnet im „Stonewall Inn“, der bekanntesten Schwulenbar der Welt. Auch hier war das Motiv ganz klar Schwulenhass.

Doch von den meisten Hassverbrechen erfährt die Polizei offenbar nichts: Auch, wenn den Problemen inzwischen „wesentlich mehr Aufmerksamkeit“ geschenkt werde als früher, gebe es „viele Hassverbrecher, die nicht angezeigt werden“, beklagte Darlene Nipper vom Nationalen Schwulen- und Lesbenarbeitskreis. Unterstützung gibt es auch vom New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, der sagte, er fühle sich von den Vorfällen „angeekelt“.