Samstag, 20. April 2024
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Schwuler Fußballer im „Tatort“ spaltet die Fernsehnation

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Für gemischte Gefühle bei den Kritikern sorgt die gestern ausgestrahlte „Tatort“-Folge „Mord in der ersten Liga“, bei der sich ein Seitenstrang der Handlung um einen schwulen Profi-Fußballer und sein Outing drehte.

Überschwenglich lobte der „Stern“ die Folge in seiner Online-Ausgabe: Redakteurin Ulrike Klode lobt Drehbuch, Regie und die Bilddramaturgie der Folge. „Einen Mord an einem Hannover-96-Spieler zu erzählen und die Themen ‚Homosexualität im Profifußball‘, ‚Hooligan-Gewalt‘ und ‚Manager, die gleichzeitig Ziehväter sind‘ zu behandeln, hätte sehr leicht schiefgehen können. Aber es ist gelungen, Handlung und Dialoge des „Tatorts“ nicht in Klischees abgleiten zu lassen“, schreibt Ulrike Klode in ihrer Kritik.

Eine Meinung, die die Kollegen der „tageszeitung“ offenbar nicht teilen: „Wenn sich trotz DFB-Präsident Theo Zwanzigers Verbalbemühungen um weniger Homophobie im Fußball noch kein Bundesliga-Profi geoutet hat, liegt dies zumindest nach diesem ‚Tatort‘ auch daran, dass man es sofort mit Charlotte Lindholm zu tun hätte“, ätzt Steffen Grimberg für das linke Traditionsblatt. Für ihn war die Folge ein „ziemlich schwaches Match“.

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Auf der Facebook-Seite des „Tatort“ findet die Folge nicht viele Freunde „Ich bin immer noch schockiert, wie schlecht dieser Tatort war. Klischees bis zum Abwinken“, bemerkt ein User. „Der Lover des Spielers geht mit Sekt in die Badewanne und hört Marianne Rosenberg“, erklärt ein anderer. Und ein weiterer Kommentar zur Folge ist auch wenig erbaulich: „Ich konnte nicht mehr hinsehen. Einfach nur peinlich. Hat nur noch gefehlt, dass die Mannschaft mit rosa Röckchen aufgelaufen wäre um ihren schwulen Vereinskameraden zu unterstützen. So wird sich niemals einer outen.“

Innerhalb der Community sind die Meinungen ebenfalls geteilt. Der GGG.at Community hat der Tatort größtenteils gefallen. Bei den Kommentaren auf unserer Facebook-Seite loben User das Thema als „gut aufbereitet“. Das größte deutschsprachige Online-Medium „queer.de“ ist jedoch auch der Meinung, der Krimi „kam über Klischees nicht hinaus“: „Ein Mann ist schwul und verdächtig, weil er eine Aids-Schleife als Schlüsselanhänger hat“, schüttelt Norbert Blech über die Darstellung der Figuren den Kopf. Er kritisiert auch, dass Schwule in der Folge „viel zu oft“ als „Homosexuelle“ bezeichnet wurden.

Unterm Strich ist die Kritik am „Tatort“ also so gemischt wie die Reaktionen am Thema: Außerhalb der schwul-lesbischen Community wird die Folge für ihr mutiges Herangehen an ein kontroversielles Thema größtenteils gelobt – wer weiß, wie schwul-lesbisches Leben wirklich ist, fand die Folge trotzdem aber schnell fad und klischeehaft.

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