FPÖ sieht ‚Pädophilen-Lobby‘ in ‚Homosexuellen-Szene‘

Wenn es der FPÖ um Verschwörungstheorien geht, ist offenbar auch die böse Homo-Lobby nicht weit. So kursiert bei den Freiheitlichen offenbar ein internes „Dossier“ mit dem Titel „Das Netzwerk der Kinderschänder“. Inhalt des Dokuments: Es gebe in Österreich eine einflussreiche Pädophilen-Lobby, „die in der Homosexuellen-Szene und der Sexualforschung Unterschlupf gefunden“ habe. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „News“ in seiner heute erscheinenden Ausgabe.

Verfasst worden soll das „Dossier“ von Thomas Tayenthal, Psychologe und Mitarbeiter im „Bürgerbüro HC Strache – Freiheitlicher Parlamentsklub“, sein. In der Mail werden laut „News“ Prominente mit zum Teil verurteilten Straftätern in Verbindung gebracht und angesehene Institutionen „eine zentrale Rolle im nationalen wie internationalen Pädophilen-Lobbying“ zugeschrieben.

Auffallend: Mit dem Begriff „Pädophilen-Lobby“ haben die Freiheitlichen im Dezember 2011 das Rechtskommitee Lambda (RKL) bedacht. In einer Presseaussendung bezeichnete der Obmann der FPÖ Wien, Johann Gudenus, RKL-Präsidenten Helmut Graupner damals als „glühenden Verfechter der – wie er es nennt – ‚generationenübergreifenden Sexualität'“ und zitiert dabei einen Artikel aus dem Jahr 1999: „Bis zur Hälfte der Beziehungen von 12- oder 13-Jährigen zu Erwachsenen ist durch eine gegenseitige Zuneigung begründet“.

Die Freiheitlichen kopierten damit einen Angriff, den deutsche Konservative im April 2010 auf Graupner durchgeführt haben. Sie zitieren auch den gleichen Artikel, den Graupner 1999 für das „Journal of Homosexuality“ geschrieben hat. Allerdings verschweigen sie, dass Graupner sich in genau diesem Artikel ausdrücklich von sexueller Gewalt gegen Kindern distanziert.

In dem Artikel sei „in keiner Weise (…) ein Plädoyer für eine Straffreiheit von Pädophilie oder für ein Recht auf pädophile Kontakte enthalten“, betonte Graupner damals gegenüber GGG.at: „Ganz im Gegenteil arbeite ich darin sogar die grundrechtliche Verpflichtung zur Kriminalisierung pädophiler Kontakte heraus.“

Dem entsprechend spielen die Freiheitlichen das nun bei „News“ aufgetauchte Dossier herunter. Gegenüber derStandard.at bezeichnet FPÖ-Pressesprecher Karl Heinz Grünsteidl das Dossier als „lose Sammlung von Dokumenten“. Es handle sich um eine „Dokumentensammlung“ für den internen Gebrauch, bestehend aus E-Mails von Bürgern und Artikeln.“News“ habe diese „falsch bewertet“ und „falsch zitiert“, so Grünsteidl weiter. Dem widerspricht „News“-Chefreporter Kurt Kuch. Er sei im Besitz des Dossiers und könne die zitierten Stellen belegen, so Kuch zu derStandard.at.