FDP-Provinzpolitikerin schickt Hassmail an Volker Beck

Beschimpfungen ist Volker Beck, offen schwuler Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Deutschen Bundestag, schon gewohnt. Trotzdem überraschend war der Absender einer Hass-Mail, die Beck nun bekommen hat: Er wurde von einer FDP-Lokalpolitikerin beschimpft.

Cordula Drechsler ist eine von zwei FDP-Gemeinderäten im beschaulichen Bad Lausick in Sachsen. Sie fühlte sich nun bemüßigt, Beck ihre Meinung zu schreiben. Weil er während einer Lesben- und Schwulenparade in Moskau bereits von russischen Sicherheitskräften tätlich angegriffen wurde, empfiehlt ihm Drechsler: „Sie sollten sich in Zukunft überlegen, ob sie nach Russland fahren und auch in Deutschland dürfte Ihr Leben schwerer werden im (noch nicht) von Muslimen komplett dominierten Berlin (dann werden Sie auch ein schweres Leben haben).“ Sie schließt ihre Mail mit dem Hinweis: „Leute wie Sie Herr Beck braucht das deutsche Wählervolk beim besten Willen nicht“ und „Mit heterosexuellen Grüßen aus dem erzkonservativen Freistaat Sachsen“.

Als der Büroleiter Becks bei der 39-jährigen Bankkauffrau nachfragte, bekräftigte sie ihre Äußerungen. Und auch gegenüber der „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) bleibt Drechsler standhaft. Sie vertrete mit ihrer Meinung die Mehrheit der Deutschen, „sie getraut es sich nur (noch nicht) zu sagen“.

Auch sonst dürfte Drechsler, die 2009 gewählt wurde, ihrem Sitznachbarn im Gemeindeparlament zu viel Aufmerksamkeit geschenkt haben. Dort sitzt sie nämlich neben dem NPD-Abgeordneten. Ihre Ansichten haben nämlich wenig Liberales an sich: Wie die LVZ weiter berichtet, ist sie im Internet als „peterpan5“ der Meinung, „dass auch die Leidensfähigkeit der Deutschen irgendwann ein Ende hat“.

Damit dürfte sie der Parteilinie der sächsischen FDP deutlich widersprechen. Immerhin sind die Liberalen im Freistaat in der Regierung und fordern dort mit den anderen demokratischen Parteien bürgerschaftliche und staatliche Programme zur politischen Bekämpfung des Rechtsextremismus.

Volker Beck fordert nun den FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler auf, zu handeln: Rösler solle bis zum Ende des Monats „Frau Cordula Drechsler aus der FDP-Fraktion in Bad Lausick in Sachsen werfen und jede Zusammenarbeit mit dieser Frau beenden.“ Dieses „gefährliche Maß an unverbesserlichem Menschenhass hat im demokratischen Parteienspektrum nichts verloren“, so Beck.