Heute im ORF: Dokumentation ‚Wenn Frauen Frauen lieben‘

Wenn es um schwul-lesbische Sichtbarkeit geht, dann geht es oft um schwule Männer: Sie sitzen im Pfarrgemeinderat und treten bei „Dancing Stars“ an. Doch wie ist das mit lesbischen Frauen?

Sie ziehen in der öffentlichen Wahrnehmung sehr oft den Kürzeren. Ein Manko, das die ORF-Reportage „Am Schauplatz“ zumindest ein bisschen beheben möchte. Die Sendung, die heute um 21.15 Uhr in ORF 2 ausgestrahlt wird, trägt den Titel „Wenn Frauen Frauen lieben“.

„Am Schauplatz“-Reporterin Nina Horowitz spricht mit Lesben über ihr Outing, Vorurteile der Gesellschaft, dem Umgang mit Klischees und ihre ganz besonderen Liebesgeschichten.

Eine dieser Frauen ist die ehemalige ORF-Radiosprecherin Rosmarin Fraundorfer. Die heute 70-Jährige hatte ihre erste Beziehung mit fast 40: „Weil ich geglaubt habe, ich bin die einzige Frau auf der Welt, die so tickt. Es gab ja weit und breit keine lesbischen Frauen. Zu sagen, es war ein Tabu, ist schon übertrieben. Lesbische Liebe war einfach nicht existent. Also bin ich zu Hause gesessen und hab traurige Gedichte geschrieben.“

Seitdem hat sich einiges geändert: So ist Fraundorfer mittlerweile fast 25 Jahre mit ihrer Partnerin Brigitta Ehrenfreund zusammen. Und auch die jüngeren Generationen gehen mit ihrer Homosexualität viel selbstverständlicher um.

Wie zum Beispiel die 16-jährige Tess Herrmann. Sie ist Schülerin einer katholischen Privatschule in Bregenz. Dass sie sich vor der ORF-Kamera outet, ist für sie kein Problem: Dann wird eben ein paar Wochen lang in der Pause getuschelt. Irgendwann gibt’s die nächste Attraktion.“

Was die Schülerin allerdings stört, sind Vorurteile, die sie gelegentlich zu hören bekommt. „Zu mir hat jemand einmal wirklich ernsthaft gesagt: ‚Du kannst nicht lesbisch sein. Du spielst ja gar nicht Golf.’“

Klischees, mit denen Lilith noch nie in Berührung gekommen ist. Sie ist drei Jahre alt und weiß: Sie hat eine Mama und eine Mami. Eine Konstellation, die für das kleine Mädchen ganz natürlich ist

Lilith ist der wichtigste Grund dafür, dass sich ihre Mami, die 29-jährige Eva Masel, nicht verstecken will: „Wenn ich nicht zu meiner Homosexualität stehen kann, wie soll es dann meine Tochter einmal können?“ Eva Masel arbeitet als Ärztin im AKH Wien. Sie ist seit neun Jahren mit ihrer Partnerin Astrid Arminger zusammen. Masel ist eine der wenigen Frauen, die am Arbeitsplatz darüber reden, lesbisch zu sein: „Kaum zu glauben, aber das Thema scheint auch im Jahr 2012 noch ein Tabu zu sein“, wundert sie sich manchmal selbst.

Für Zuschauer in Deutschland und der Schweiz wird diese Folge von „Am Schauplatz“ am 26. Juli um 11.45 Uhr in 3sat wiederholt.