Salzburger Weihbischof Laun verteidigt Homosexuelle

Scharfe Kritik an konservativen Homo-Hassern - und 180°-Wende

Andreas Laun
Josef Kuss/Bischofskonferenz

Bis jetzt galt der Salzburger Weihbischof Andreas Laun nicht wirklich als lesben- und schwulenfreundlich. Der aktuelle Artikel seines Blogs „Klartext“ auf dem Portal kath.net lässt aber aufhorchen: Darin vertritt er Positionen, die für seine Verhältnisse durchaus als liberal gelten können.

So bezeichnet er die vor allem unter Hardlinern vertretene Meinung, gleichgeschlechtlicher Sex sei die größte Sünde, als „falsch“. Sie „sollte auf der Müllhalde der peinlichen Irrtümer entsorgt werden“, beginnt Laun seinen Blog-Eintrag.

Er erklärt, diesem Irrtum würden zwei andere Irrtümer zugrunde liegen: Der erste Irrtum ist die Auslegung der biblischen Geschichte von Sodom und Gommora. Es sei falsch, dass diese Städte von Gott vernichtet worden wären, weil in ihnen Homosexualität gelebt wurde.

„Zweitens wussten frühere Generationen zwar, dass es Menschen gibt, die homosexuelle Akte vollziehen, aber sie wussten kaum etwas über das Wesen homosexueller Neigungen und deren Ursachen und darum auch nichts darüber, wie differenziert und behutsam sie zu werten sind!“, erklärt Laun weiter.

Laun greift erzkonservative Homo-Hasser an

Der Salzburger Weihbischof appelliert an den „Hausverstand“: Man möge vergleichen – „die Sünde homosexueller Männer, die, alles in allem, liebevoll miteinander umgehen und die Sünde von Leuten, die die Menschen in der Dritten Welt ausbeuten, die Sünde von Triebtätern und vielen, vielen anderen Verbrechern…“ Laun erinnert daran, dass Jesus „nicht vorrangig sexuelle Sünden“ angeprangert habe – dafür aber die „Sünde des ‚Klein- und Unglaubens‘“.

„Zu behaupten, homosexuelle Sünden seien, ganz ohne Differenzierungen zuzulassen, der ‚Supergau des Bösen‘, ist ein schwerer Irrtum eines möglicherweise ‚schuldhaft irrenden Gewissens’!“, schließt der bisher als sehr konservativ geltende Laun seinen Beitrag.

Ein Schwenk um 180 Grad

„Laun bleibt mit seiner Position damit zwar immer noch auf der Linie des Weltkatechismus, wonach die gelebte Homosexualität Sünde sei, bereitet aber gleichzeitig für eine Überwindung dieser Haltung den Boden auf“, analysiert Standard-Herausgeber Wolfgang Bergmann diesen Schwenk in seinem „Churchwatch“-Blog.

Denn tatsächlich ist Launs aktueller Beitrag ein Schwenk um 180 Grad. Im Jänner 2009 waren Lesben und Schwule für Laun auf kath.net noch „unlogische Menschen“, die ein „Recht auf Heilung“ hätten: „Wenn Menschen mit homosexuellen Neigungen eine Veränderung ihrer ’sexuellen Orientierung‘ anstreben, sind sie empört und wollen sie verbieten lassen“, so der Salzburger Weihbischof damals. Zwei Jahre zuvor bezeichnete er Homosexualität als „nutzlos“.

Wird die römisch-katholische Kirche homo-freundlicher?

Und Laun ist nicht der einzige konservative Würdenträger der römisch-katholischen Kirche, der in letzter Zeit durch homofreundliche Töne auffällt. Während der Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki vor seiner Bestellung Homosexualität noch als „Verstoß gegen die Schöpfungsordnung“ bezeichnete, traf er sich in Berlin mit Vertretern der schwul-lesbischen Community.

Auf dem diesjährigen Deutschen Katholikentag deutete Woelki sogar an, die römisch-katholische Kirche könnte künftig gleichgeschlechtlichen Paaren gegenüber liberaler werden. Und gegenüber der deutschen Wochenzeitung Die Zeit erkannte Woelki, dem ein Naheverhältnis mit dem erzkonservativen Opus Dei nachgesagt wird, an, dass bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften „Menschen dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen, sich Treue versprochen haben und füreinander sorgen wollen, auch wenn ich einen solchen Lebensentwurf nicht teilen kann“.