[Video] Argentinisches Baby hat zwei Väter in der Geburtsurkunde

In Argentinien ist zum ersten Mal ein schwules Paar vom Standesamt gemeinsam als Eltern anerkannt worden. Das hat die Argentinische Lesben- und Schwulengruppe FALGBT bekannt gegeben.

Carlos Dermgerd und Alejandro Grinblat sind offiziell die beiden Väter des kleinen Tobías, der von einer Leihmutter in Indien ausgetragen wurde und am 29. Juni zur Welt gekommen ist.

Das Standesamt von Buenos Aires hat bestätigt, eine solche Geburtsurkunde auszustellen, wenn Tobías in Argentinien angekommen ist. Damit können sie nun ohne Probleme aus Indien ausreisen. Das Konsulat hat dem Baby bereits die Staatsbürgerschaft anerkannt und dem Neugeborenen einen Reisepass ausgestellt.

Und um die Sache abzurunden wurde Tobías auch als Sohn der beiden in deren Hochzeitsurkunde, eine in Argentinien obligatorische rote Libretta, eingeschrieben.

Die beiden Väter machten sich für ihre Familienpläne eine Gesetzeslücke zu Nutze: Eigentlich sind Leihmutterschaften in Argentinien verboten, für ausländische Leihmütter gibt es aber keine gesetzliche Regelung.

„Wir kämpfen nur für eine Sache: Dass wir eine Familie starten dürfen“, erklärt Grinblat nach der Anerkennung den argentinischen Medien. Im Jahr 2010 wurde zwar bereits ein lesbisches Paar als Eltern anerkannt. Die problemlose Anerkennung von zwei Vätern ist für argentinische Lesben- und Schwulenaktivisten „historisch“.

„Das ist das erste Mal weltweit, dass ein Kind als Sohn von zwei Männern anerkannt wurde, ohne dass eine richterliche Anordnung nötig war“, freut sich auch die argentinische Lesben- und Schwulenaktivistin Maria Rachid. Bisher wurde nur der leibliche Elternteil in die Geburtsurkunde eingetragen, während der andere Partner oder die Partnerin lediglich als Adoptivelternteil anerkannt wurde.

Wer der biologische Vater des kleinen Tobías ist, wissen die beiden Männer übrigens selbst nicht: Sie haben beide eine Samenspende in der Klinik abgegeben und nicht erfahren, welche der beiden Proben genommen wurde. Sie haben auch gesagt, dass ihnen das eigentlich egal ist.

Argentinien gilt als lesben- und schwulenfreundlichstes Land Südamerikas. Wenige Wochen vor der Geburt des kleinen Tobias hat Präsidentin Cristina Kirchner ein Gesetz unterschrieben, das Kindern von gleichgeschlechtlichen Eltern einen Personalausweis zusichert, in dem sie die Familiennamen beider Eltern tragen.

Seit 2010 ist die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet. Auch die Gesetzgebung für Transsexuelle gilt als fortschrittlicher als in vielen europäischen Ländern.