Keine Anal-Zwangstests mehr im Libanon

Im Libanon soll Homosexualität künftig nicht mehr durch Anal-Zwangsuntersuchungen festgestellt werden. Das berichtet die libanesische Tageszeitung „Daily Star“.

Allen Ärzten, die solche Zwangsmaßnahmen trotzdem durchführen, droht der Ärzteverband in einem Rundschreiben mit Disziplinarmaßnahmen. „Solche Praktiken sind nicht zuverlässig und sind eine Menschenrechtsverletzung, wenn sie ohne Einverständnis des Patienten durchgeführt werden“, so die Medizinervereinigung.

Welle der Empörung nach Razzia im Pornokino

Anlass für die scharfen Worte war eine Razzia in einem schwulen Pornokino in der Hauptstadt Beirut. Dabei mussten sich die 36 Verhafteten einer ärztlichen Analuntersuchung unterziehen, wer als homosexuell – also passiv – diagnostiziert wurde, blieb in Gewahrsam.

Dieses Vorgehen führte zu heftigen Protesten, nicht nur von Menschenrechtsorganisationen. Der größte Sender des Landes, die „Lebanese Broadcasting Corporation“ (LBC), bezeichnete die Zwangstests in seinen Nachrichten als „Schande“. Auch Justizminister Shakib Qortbawi erklärte, der Vorfall sei „aus humanitären Gründen völlig inakzeptabel“ gewesen.

Auch Ärzte wussten, Test ist nutzlos

Von den Tests waren ohnehin nicht einmal die Ärzte, die sie durchgeführt haben, überzeugt. Gegenüber der BBC erklärte Hussein Karour, Chef des Instituts für Kriminaltechnik in Libanon: „Diese Tests beweisen überhaupt nichts. Ihr wissenschaftlicher Wert ist Null, besonders weil es sich nur um optische Eindrücke handelt. Der Doktor schaut einfach in den Enddarm der verhafteten Menschen und schreibt seinen Bericht.“ Warum sein Institut diese Tests dann durchgeführt hat? „Ich folge nur den Anweisungen des Generalstaatsanwalts“, so Karour mit einem Achselzucken.

Schwuler Sex ist im Libanon eigentlich nicht verboten – es droht aber bis zu einem Jahr Haft für „widernatürlichen Sex“. Zwar wurde in den letzten Jahren kein Schwuler wegen dieses Paragraphen verurteilt, die Polizei nutzt ihn aber immer noch, um die Besucher schwuler Lokale und Treffpunkte einzuschüchtern.