Dänische Ministerpräsidentin betont: ‚Mein Mann ist nicht schwul‘

Eigentlich gilt Dänemark als ruhiges offenes Land. Doch nun beschäftigt die sexuelle Orientierung des Ehemannes von Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt das Land, die Politikerin sah sich nun gezwungen, entsprechende Gerüchte persönlich zu dementieren.

Der etwas eigenwillige Fall begann vor drei Jahren: Thorning-Schmidts Ehemann, der Brite Stephen Kinnock, war Direktor des World Economic Forum in Genf – und versteuert auch sein Einkommen dort. Und das, obwohl er Familie, Haus und Lebensmittelpunkt eigentlich im „Hochsteuerland Dänemark“ hatte, wie die „Financial Times Deutschland“ schreibt.

Es folgte eine Kampagne in den Medien gegen die damalige sozialdemokratische Oppositionsführerin und ihren Mann. Eine Steuerprüfung belegte allerdings, dass steuerrechtlich alles in Ordnung sei.

Eine Intrige der politischen Konkurrenz?

Kurz vor den Parlamentswahlen letzten September kam allerdings heraus, dass die konservativ-liberale Koalition offenbar die Affäre künstlich am Köcheln hielt und eine Boulevardzeitung selbst mit vertraulichen Details aus dem Steuerakt versorgt haben dürfte.

Eines dieser Details: In einer Notiz der Steuerbehörde stand, dass dem Steuerberater von Thorning-Schmidt zufolge deren Ehemann schwul oder bisexuell sei. Womöglich wollte er damit unterstreichen, dass Kinnock engere Bindungen zur Schweiz habe – für den Steuerfall war diese Information irrelevant. Im Zuge der Medienberichterstattung kam dieses Detail aber ans Tageslicht und beschäftigt seither die dänische Öffentlichkeit.

Ministerpräsidentin von Gerüchten genervt

Nun musste sich Thorning-Schmidt sogar persönlich zur sexuellen Orientierung ihres Ehemannes äußern. Der linksliberalen Tageszeitung „Politiken“ sagte sie: „Zunächst einmal finde ich nicht, dass das eine Frage ist, die man beantworten sollte. Aber: Nein, er ist es nicht“. Dann erklärte die Regierungschefin, dass ihr Familienleben sicher ungewöhnlich sei, weil ihr Mann mittlerweile in London lebe: „Aber wir sind seit 20 Jahren ein Paar. Wir leben ein Familienleben, das – wie wir meinen – gut für uns und unsere zwei Kinder funktioniert, und das sollte eigentlich genug für die Öffentlichkeit sein.“

Womit sie recht hat – ob den Dänen allerdings diese kurze Erklärung auch reicht, bleibt abzuwarten. Mittlerweile untersucht eine Untersuchungskommission, wie die vertraulichen Dokumente über die Regierungschefin und ihren Mann in die Medien gelangen konnten.