Türkei bekommt ihr erstes gedrucktes Schwulenmagazin

In der Türkei ist letzten Dienstag mit „GayMag“ das erste gedruckte Magazin für Lesben, Schwule und Transgender erschienen. Auf dem Cover ist Mariah Carey zu sehen – die Sängerin war aber nur zweite Wahl.

Denn ursprünglich hätte der bekannter heterosexueller türkische Popstar Murat Boz aufs Cover der Zeitschrift kommen sollen. Dieser sagte aber in letzter Minute ab. Und weil auf die Schnelle kein anderer heimischer Star für das Cover gefunden werden konnte, landete Mariah Carey in schwarzweiß auf dem Cover des „GayMag“.

Die Diva hat dazu persönlich ihr Einverständnis und auch ein Interview gegeben. „Vor ein paar Monaten haben wir ihren Manager kontaktiert, und er sagte, Mariah Carey wolle uns unbedingt unterstützen. Das war sehr wichtig für uns, und es hat mich sehr gefreut – ich bin einer ihrer größten Fans! Ich bin mit ihren Liedern aufgewachsen, wie viele Homosexuelle. Ich habe das Interview mit ihr über Skype geführt. Sie war unheimlich nett.“, erinnert sich Fatih Kocatürk, einer der beiden Chefredakteure, im deutschen Magazin „Stern“.

Online gibt es „GayMag“ bereits seit 2008. Nun wagt das Team den Sprung in die Print-Welt. Das Magazin soll monatlich erscheinen und im ersten Jahr gratis erhältlich sein. Bezahlt werden die Fixkosten größtenteils von der schwulen Dating-App „Hornet“. Die Startauflage liegt bei 5.000 Stück. „Wenn es gut läuft, werden wir nächsten Monat vielleicht schon 10.000 rausbringen“, hofft Kocatürk.

Sein Ziel: Er möchte mit dem Magazin auf die Rechte von Lesben, Schwulen und Transgender in der Türkei aufmerksam machen und für mehr Akzeptanz kämpfen – und dabei aber auch die leichten Seiten des Lebens nicht vernachlässigen. Neben Politik beschäftigt sich „Gay Mag“ auch mit Kultur, Mode oder Musik.

Die Lage von Lesben und Schwulen in der Türkei ist noch immer kompliziert. Auf der einen Seite gibt es Unverständnis von den konservativen Anhängern des frisch gewählten Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, auf der anderen Seite öffnen sich vor allem Intellektuelle: Zur Istanbul Pride kommen mehr als 10.000 Menschen und immer mehr Türken sprechen sich gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Transgendern aus.

Die Reaktionen auf die gedruckte Ausgabe von „GayMag“ sind deshalb größtenteils positiv. „Ein Teenager, vielleicht 16 Jahre alt, hat uns heute sogar angerufen. Er sagte, er lebt auf dem Land in einem kleinen Dorf, wo es das Magazin nicht gibt, deshalb hat er uns gebeten, es ihm per Post zu schicken. Das hat mich sehr beeindruckt“, so Kocatürk.

Ein Klima, in dem das Projekt durchaus Erfolg haben kann – und das „GayMag“-Team denkt schon weiter. Sie würden gerne ein Event veranstalten, bei dem eine Person, die sich besonders für die Community einsetzt, einen Preis verliehen bekommt.