Berliner CSD: Zwei Paraden in einer

Im letzten Jahr hat sich der Berliner CSD gespalten – einer der Gründe war Kritik, dass die Veranstaltung in den letzten Jahren zu unpolitisch gewesen sei. Dieses Jahr marschiert man am 27. Juni wieder gemeinsam – und doch getrennt.

Denn wie die Veranstalter bekannt gegeben haben, wird der politische, akustisch leisere Teil der Veranstaltung heuer gesammelt am vorderen Teil der Parade marschieren. „Wir reservieren den vorderen Teil der Parade (gleich hinter den beiden Führungswagen) für leisere Teilnehmende – etwa Fußgruppen, Chöre, Kinderwagen, Rikschas, Rolligruppen, Dreiräder, Samba-Bands und Fahrzeuge mit Musikanlagen bis 400 Watt“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Dadurch möchte man jene unterstützen, die sonst „akustisch und optisch zwischen den großen Trucks verschwinden“. Eine Verpflichtung für diese Gruppen, im vorderen Teil des CSD zu marschieren, gebe es aber nicht. Dies sei lediglich ein Angebot. Ziel sei eine „Sichtbarkeit der politischen Inhalte“.

Die Botschaft des CSD in Berlin ist ohnehin eine politische – und brandaktuell. Unter dem Motto „Wir sind alle anders. Wir sind alle gleich.“ möchte man „in Zeiten von Pegida und erstarkenden Ausgrenzungstendenzen ein Zeichen für gesellschaftliche Vielfalt und Akzeptanz zu setzen“.

Außerdem wollen die Veranstalter mit dem CSD Solidarität mit schwulen, lesbischen, bisexuellen, Transgender und untersexuellen Flüchtlingen zeigen. Diese seien „oft in einer besonders prekären Lage und brauchen unsere Unterstützung“, erklären die Veranstalter.

Sie rufen die Veranstalter der großen Trucks auf, einen Teil ihrer Plätze für Flüchtlinge zu reservieren, „damit diese ihre Anonymität und Sicherheit wahren, aber trotzdem teilnehmen können“

Im letzten Jahr haben in Berlin neben dem Transgenialen CSD im Bezirk Kreuzberg zwei Paraden stattgefunden: Die herkömmliche, veranstaltet vom CSD-Verein, und eine politische, veranstaltet von der Berliner Aids-Hilfe. Zum Bruch kam es, da der CSD-Veranstalter die Parade ohne Rücksprache mit der Community in „Stonewall“ umbenennen wollte. In Folge trennte man sich vom CSD-Geschäftsführer, dem gebürtigen Österreicher Robert Kastl.

Diese Entwicklung soll sich nicht mehr wiederholen, sind sich beide Seiten einig. „Im Verlauf dieser Entwicklung haben beide Seiten versagt, was konstruktive Kommunikation und Konfliktlösungen betrifft“, geben sich nun CSD und Berliner Aids-Hilfe einsichtig. Nun wolle man „ein Zeichen für ein gemeinsames Handeln“ setzen.