Mittwoch, 29. Mai 2024
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Bischof Huonder: Todesstrafe-Zitat nur für ‚innerkirchlichen Fachdiskurs‘

Entschuldigt sich bei allen "homosexuell empfindenden Menschen" für die Missverständnisse

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In einem Brief an seine Mitarbeiter betont Vitus Huonder, Bischof von Chur, erneut, dass er Homosexuelle nicht töten wolle – vielmehr sei seine Rede vor katholischen Konservativen in Fulda falsch interpretiert worden. Es sei ein Fehler gewesen, den Vortrag nicht gegenlesen zu lassen – und nur an die „akademisch-reflexive Ebene“ und den „innerkirchlichen Fachdiskurs“ gedacht zu haben.

Huonder hatte unter anderem aus jener Stelle des 3. Buch Moses, dem Leviticus, zitiert, in der beschrieben wird, dass Geschlechtsverkehr zwischen Männern ein Gräuel ist und mit dem Tod bestraft werden muss.

Bibelzitate als „theologische Relektion“

„Selbstverständlich trete ich nicht für die alttestamentarische Forderung nach der Todesstrafe für homosexuell empfindende Menschen ein“, macht Huonder in dem Brief zum ersten Mal klar. Die Zitate seien „nicht Ausdruck meiner Gesinnung, sondern vielmehr meiner Überzeugung, dass im Rahmen einer theologischen Reflexion keine Textstellen aus der Heiligen Schrift verschwiegen werden dürfen, nur weil sie im heutigen Kontext Schwierigkeiten bereiten“.

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Wo diese Stellen aus dem 3. Buch Moses im Rahmen des Vortrags allerdings theologisch reflektiert werden, verrät Huonder in dem Schreiben an seine Mitarbeiter nicht. Im Gegenteil: Er hatte ihre Gültigkeit betont, obwohl besonders die strengen Gesetze im Leviticus für Christen nicht unbedingt einzuhalten sind.

Huonder betont Seelsorge-Auftrag der Kirche

Huonder erklärt, er habe vielmehr zum Ausdruck bringen wollen, dass Homosexuelle durch die Seelsorge – oder „pastorale Liebe“, wie sie der Bischof nennt – „aus dem Zustand der gefallenen Natur zu befreien“ seien. Ganz im Sinne des derzeit gültigen römisch-katholischen Katechismus gehe es darum, Lesben und Schwulen „Mitgefühl und Takt, nicht Herabsetzung“ entgegenzubringen – vor allem, solange sie, ganz im Sinne des Katechismus, enthaltsam leben.

Und auch sonst tritt der Bischof von Chur den geordneten Rückzug an: Er möchte sich „bei allen Menschen entschuldigen, die sich durch meinen Vortrag verletzt gefühlt haben, besonders bei homosexuell empfindenden Menschen“: „Diesen möchte ich versichern, dass die Kirche niemanden ausgrenzen, sondern für alle im oben beschriebenen Sinn da sein will“, so Huonder.

Pink Cross bleibt bei Strafanzeige

Die Schweizer Schwulenorganisation Pink Cross konnte Huonder mit dieser Erklärung nicht überzeugen. Denn der Bischof habe die „fraglichen Bibelzitate nicht einfach wiedergegeben, sondern einleitend deren Authentizität und Wahrheit bestätigt und vor und unmittelbar nach dem Zitieren mehrmals ein entsprechendes Handeln propagiert.“

Die Stellungnahme ändere deshalb „nichts am rechtlichen Strafverhalt der Rede in Fulda“ – die Strafanzeige gegen den Bischof von Chur bleibe aufrecht. Denn dieser habe sich „seit mehreren Jahren immer wieder abfällig gegenüber Schwulen und Lesben geäussert“ – die neuesten Aussagen sieht Pink Cross deshalb als „reine Schutzbehauptung, um Druck seitens der Öffentlichkeit abzubauen“.