Donnerstag, 20. Juni 2024
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Nach Strafanzeige: Bischof Huonder beklagt „Meinungsdiktatur“

Betont in Zeitungsinterview, dass ihn kirchliche Laien vollkommen falsch verstanden haben

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In einem Interview mit der Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ stilisiert sich Vitus Huonder, der Bischof von Chur, als Opfer von Kirchenfeinden. Huonder hatte bei einem Vortrag vor konservativen Katholiken im deutschen Fulda unter anderem jene Stelle des 3. Buch Moses, dem Leviticus, zitiert, in der beschrieben wird, dass Geschlechtsverkehr zwischen Männern mit dem Tod bestraft werden muss.

Diese Stelle hat Huonder der Schweizer Schwulenorganisation Pink Cross zufolge „nicht einfach wiedergegeben, sondern einleitend deren Authentizität und Wahrheit bestätigt und vor und unmittelbar nach dem Zitieren mehrmals ein entsprechendes Handeln propagiert“.

Huonder wollte eigentlich nur das Alte Testament erklären

Doch das stimme gar nicht, betont Huonder im „Blick“-Interview: „Mir ging es darum, dass wir als Christen verstehen, wie drastisch das Alte Testament an einigen Stellen spricht. Das macht uns bewusst, was das Neue Testament und Jesus Christus uns gebracht haben. Ich gebe zu, das setzt viel Fachwissen und Kenntnis des innerkirchlichen Kontextes voraus. Wenn man dieses Wissen nicht hat, kann man meinen Satz ganz falsch verstehen.“, erklärt der Bischof.

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Und er beschwert sich über die Aufregung: „Die Leute haben nicht meinen Vortrag interpretiert, sondern das, was ihnen von den Medien vorgesetzt wurde. Wer den ganzen Abschnitt liest, kann doch nicht sagen, ich hätte die Todesstrafe gefordert.“ Denn: „Für Jesus kam nicht in Frage, dass die Ehebrecherin gesteinigt wurde, und das kommt auch für mich nicht in Frage. Ich will nicht verurteilen. Aber ich sage: Bitte mach es anders“, fasst er seine Position zusammen.

Dass Pink Cross wegen des Vortrags Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Graubünden erstattet hat, kommentiert Huonder nicht. Er macht aber klar, dass er sich in diesem Punkt als Opfer sieht. Die römisch-katholische Kirche müsse „ihren Glauben weiterhin unverkürzt vertreten“ können, betont der Bischof. „Heute gibt es auch in der Schweiz Leute, die für sich Toleranz fordern, aber die Meinungs- und Glaubensfreiheit von Andersdenkenden abschaffen wollen. Etwa mit neuen Gesetzen, die vor Diskriminierung schützen sollen, in Wahrheit aber nur Ausdruck einer Meinungsdiktatur sind“, klagt er.

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