Nach Meldung von Rechten: Facebook sperrt schwule Satire-Seite

Weil er homophobe Hetzer mit ihren eigenen Mitteln schlagen wollte, wurde ein schwuler Aktivist aus dem sozialen Netzwerk Facebook vorübergehend gesperrt – und ein Bild, das keine Nacktheit zeigt, wegen Nacktheit gelöscht.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Kriterien, nach denen Facebook Inhalte löscht oder behält, in der Kritik stehen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel liefert der Fall von Thomas T. und seiner Satire-Seite „straight2gay“.

Bei „straight2gay“ geht es darum, die herrschenden Verhältnisse umzukehren: „Nicht die Schwulen oder Lesben sollen geheilt werden oder werden als ‚abnormal‘ bezeichnet, sondern eben die Heterosexuellen“, erklärt Thomas T. die Grundidee. Dazu kommentiert er im Namen der Seite auf unterschiedlichen Facebook-Seiten, zum Beispiel der von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache, dem Team Stronach oder dem ORF. „Immer ironisch, aber so, dass es manche nicht verstehen“, seufzt der Aktivist im Gespräch mit GGG.at. Deshalb hat er schon vor einigen Wochen Beschimpfungen bekommen: Per Privatnachricht wurde er als „perverser Faschist“ beschimpft.

Doch als Thomas T. die Aussage von Heinz-Christian Strache in den ORF-„Sommergesprächen“ kommentiert, dass dieser die Ampelpärchen wieder abschaffen würde, hat er den „gesunden Volkszorn“ offenbar zu sehr gereizt.

„Am darauffolgenden Tag wurde dann anscheinend ‚straight2gay‘ gemeldet. Ich flog sofort aus Facebook raus, musste mich neu anmelden und konnte auf nichts mehr zugreifen. Da wurde mir mitgeteilt, dass es gegen die Richtlinien von Facebook verstossenden Inhalt gibt und in weiterer Folge dann, dass ein Foto von mir wegen Nacktheit gelöscht wurde. Ich musste auch alle Fotos von meinem privaten Profil überprüfen, ob sie Nacktheit enthalten. Erst nachdem ich das alles gemacht habe, konnte ich wieder auf Facebook gehen. In der Zwischenzeit waren nicht nur meine Seiten, sondern auch mein privates Profil gesperrt. Nichts ging mehr, auch für Freunde.“, erinnert sich Thomas T. an den Tag danach. Besonders seltsam: Das Bild, das wegen Nacktheit gemeldet wurde, zeigt nur das Logo von „straight2gay“ – und damit keinerlei Nacktheit.

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook für seine teils nicht nachvollziehbaren Community-Standards in der Kritik steht – weil es Homophoben und Rassisten hilft, während harmlose schwule und lesbische Inhalte schnell zensiert werden. So ließ Facebook beispielsweite im Februar dieses Jahres homophobe Beschimpfungen und Morddrohungen gegen einen libanesischstämmigen Burschen online, der nach seinem Coming Out seine Eltern anzeigte, die ihn mit Gewalt zwangsverheiraten wollten. Auf der anderen Seite wurde der bekannte Fotograf Michael Stokes für ein Foto gesperrt, das zwei Polizisten zeigt, die sich im Streifenwagen küssen – voll bekleidet. Auch die Fanseite der Regenbogenparade wurde zensiert: Nackte, aber vollständig bemalte Pride Girls waren zwar für 100.000 Besucher entlang der ehrwürdigen Ringstraße in Ordnung, dem sozialen Netzwerk aber zu obszön.

Zum aktuellen Vorfall gibt es keine Stellungnahme von Facebook. Die Seite „straight2gay“ ist mittlerweile wieder erreichbar.

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