Montag, 17. Juni 2024
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Indonesien: Peitschenhiebe für schwulen und lesbischen Sex

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In der indonesischen Provinz Aceh ist heute ein Gesetz in Kraft getreten, mit dem schwuler Sex mit bis zu 100 Peitschenhieben bestraft wird. Die Provinz, in der 98 Prozent der Bevölkerung muslimisch sind, ist die einzige in Indonesien, in der die Scharia, das islamische Recht, gilt.

Das Gesetz wurde letztes Jahr vom Regionalparlament beschlossen und gilt für alle Muslime, die sich in der Provinz aufhalten. Es sorgte für heftige internationale Proteste. So kritisierte unter anderem die Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“, das Gesetz sei ein gewaltiger Rückschritt für die Menschenrechte.

So werden Analverkehr unter Männern sowie Frauen, die „Körperteile zur sexuellen Stimulation aneinander reiben“ ab sofort mit 100 Peitschenhieben bestraft. Die gleiche Strafe droht bei unehelichem heterosexuellem Geschlechtsverkehr. Auch Glücksspiel und Alkoholkonsum werden so bestraft. Ein Kuss zwischen Unverheirateten wird mit dreißig Peitschenhieben geahndet.

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Die Auspeitschungen müssen dabei immer öffentlich stattfinden. Wer ihnen entgehen will, braucht entweder viel Geld oder viel Zeit: Mit einem Kilo Gold – derzeit etwa 34.000 Euro wert – kann man sich von der Strafe freikaufen, alternativ ist auch eine etwa achtjährige Gefängnisstrafe möglich.

Für Syahrizal Abbas, der in der Provinz Aceh für die Scharia-Rechtssprechung zuständig ist, schützt dieses strenge Gesetz die „menschliche Würde“: „Es soll die Muslime von Aceh davor schützen, unmoralische Dinge zu tun“, erklärt er. Am Sonntag würden Patrouillen beginnen, welche die Einhaltung der Gesetze überwachen.

Unklar ist allerdings, wie streng das Gesetz gehandhabt wird. „Die Bestrafung erfolgt nur nach einem fairen Prozess“, beruhigt Abbas. Denn für eine Bestrafung nach der Scharia ist unter anderem ein Augenzeuge nötig, der zum Beispiel den männlichen Analverkehr selbst gesehen hat. Zeugen, die hierbei lügen, können demnach selbst mit Peitschenhieben bestraft werden.

Doch das Gesetz ist auch innerhalb Indonesiens nicht unumstritten. Jene Gruppe, deren Meinung hier aber am schwersten wiegt, sind aber nicht Menschenrechtsaktivisten: Die Tourismusindustrie, eine der wichtigsten Einnahmequellen Indonesiens, fürchtet um das Image des Landes.

Aceh liegt im Norden der Insel Sumatra. Es ist die einzige Provinz, die das islamische Scharia-Recht voll anwendet. Der Großteil der Indonesier praktiziert einen moderaten Islam. In anderen Provinzen können Scharia-Gerichte nur in Familienrechtsfragen angerufen werden.