Lesben und Schwule in der CSU wollen sich organisieren

Wenn es um Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender gegangen ist, war die bayerische CSU bis jetzt nicht unbedingt an vorderster Front zu finden. Trotzdem wollen homosexuelle Parteimitglieder am Rande des Parteitages, der dieses Wochenende in München stattfindet, eine Interessenvertretung innerhalb der Partei gründen.

Das berichtet der „Münchner Merkur“. Federführend bei der Gründung ist dabei der Münchner Nachwuchspolitiker Patrick Slapal. „Wir wollen Präsenz und Sichtbarkeit“, erklärt er dem „Merkur“. In der internen Einladung zur Gründungsversammlung heißt es, es sei „wichtig, dass wir auch in Bayern stärker zusammenhalten“.

Zur Gründung treffen will man sich am Samstag in einem Münchner Szenelokal. Die LSU, Lesben- und Schwulenorganisation innerhalb der CDU, hat ihre Unterstützung für die Schwesternorganisation bereits zugesagt. „Es ist jetzt an der Zeit, dass sich die CSU zur vollkommenen Gleichstellung bekennt“, heißt es in einer LSU-Pressemitteilung. Auch in der CSU nehme „der Einfluss der Homosexuellen, ihrer Familien, Freunde und Unterstützer“ kontinuerlich zunehmen, ist die Gruppe überzeugt. Derzeit sind einzelne CSU-Mitglieder bereits in der LSU aktiv. Angeführt wird die LSU Bayern von der Transsexuellen Jane Thomas.

Der Umgang der CSU zu den Rechten von Lesben und Schwulen ist zwiegespalten. Die Partei selbst ist in der Regel nicht homophob: So erreichen auch offen schwule Mitglieder wie der Münchner Bundestagsabgeordnete und Vertriebenen-Sprecher Bernd Fabritius ohne große Diskussionen hohe Ämter.

Geht es allerdings um die politische Gleichstellung, kommt bei den bayerischen Christlichsozialen die Stammtischrhetorik zurück. So nannte der jetzige Verkehrsminister Alexander Dobrindt während seiner Zeit als CSU-Generalsekretär Lesben und Schwule eine „schrille Minderheit“. Auch ist der besondere Schutz von (heterosexueller) Ehe und (heterosexueller Kern-)Familie offizielle Parteilinie.

Das soll sich ändern, wenn es nach Slapal geht. „Die Gleichstellung der Homosexuellen ist Teil der deutschen Leitkultur, der deutschen Werte“, sagt Slapal demonstrativ. Die Lesben und Schwulen in der CSU wollen auch auf das neue Grundsatzprogramm der Partei, das gerade erarbeitet wird, Einfluss nehmen.

Das ist auch dringend notwendig: Beim CSU-Parteitag am Wochenende steht ein Antrag auf der Tagesordnung, der die Ehe als Verbindung von Mann und Frau ins Grundsatzpartei der Partei aufzunehmen. Die Antragskommission empfiehlt die Annahme dieses Antrags – der Parteitag folgt diesen Empfehlungen meist ohne große Gegenstimmen.