„Der Zwitter muss hängen“: So beschimpfen Hofer-Fans einen Schwulen

Videobotschaft eines jungen Modedesigners zeigt, wie enthemmt einige Bevölkerungsgruppen schon hetzen

Karl Michael
Screenshot: Facebook

Weil er die Österreicher dazu aufruft, sich bei der Wahl zum Bundespräsidenten am Sonntag „für Menschlichkeit und gegen Hass“ zu entscheiden, wird ein junger schwuler Modedesigner nun von Norbert-Hofer-Fans beleidigt, attackiert und bedroht.

Junger Modedesigner macht einen Aufruf für Menschlichkeit und erntet Hass

Der 26-jährige Karl Michael ist ein aufstrebendes Talent in der österreichischen Designerszene: Er hat ein eigenes kleines Geschäft in der Nähe der Mariahilfer Straße, seine Kollektionen wurden schon bei der Wiener Fashion Week gezeigt. Und seine persönliche Meinung endet nicht bei der Auswahl von Stoffen, Formen und Schnitten.

So hat der Modedesigner eine eineinhalb Minuten dauernde, sehr persönliche Videobotschaft verfasst und auf Facebook geteilt. Darin ruft er die Österreicher auf, sich bei der Bundespräsidentenwahl am Sonntag „für Menschlichkeit und gegen Hass“ zu entscheiden. Dabei gibt er keine Empfehlung für einen Kandidaten ab. Welchem Lager er selbst nahe steht, zeigt ein Van-der-Bellen-Sticker an einer Ecke des Videos. Trotzdem: In dem Video selbst ruft er nicht dazu auf, einen bestimmten Kandidaten zu wählen – oder einen anderen nicht.

Trotzdem haben sich Fans von Norbert Hofer, die FPÖ und sogar die deutsche „Alternative für Deutschland“ (AfD) auf Karl Michael eingeschossen. Denn er ist schwul. Und das zeigt er auch in seinem Style. Seine Mode bezeichnet er selbst als „fashion for him, her or whatever you want to be, because unisex is the gender of tolerance“. Womit einige Leute ein gehöriges Problem haben dürften.

„Hat dein Vater vergessen,  einen Gummi zu nehmen?“

Unter dem Video von Karl Michael finden sich Kommentare wie „Die Schwuchtel gehört verbrannt“ oder „Der Zwitter muss hängen“. „Halte deine hässliche Klappe“, „Ist das ein Volltrottel, bei dem der Vater vergessen hat, einen Gummi zu nehmen?“ oder „Ein weiterer Beitrag zur Klimaerwärmung“ gehört noch zu den höflicheren Kommentaren.

Andere User meinen, „den haben‘s ins Hirn geschi…“, empfehlen im „mal ein paar Pillen“ zu nehmen oder bezeichnen ihn als „echtes Cannabis-Kind“. „Voll Schwuli! Muss kotzen!!!“, kommentiert ein User das Video, ein anderer empfiehlt ihm, „mal den Dildo aus deinem Arsch“ zu ziehen, während ihn ein weiterer User als „entarteten Abschaum“ bezeichnet.

Auch offizielle FPÖ-Seiten teilen das Video und spotten über den 26-Jährigen

Die offizielle Facebook-Seite der FPÖ Kitzbühel hat das Video ebenfalls geteilt und zynisch als „Entscheidungserleichterer“ für Norbert Hofer bezeichnet, auch die FPÖ Vomp oder Eberstalzell haben das Video mit einem ähnlichen Kommentar geteilt. Die AfD Niederbayern hat das Video mit dem Kommentar geteilt, es handle sich dabei um eine „tolle Guerilla-Strategie“ von Norbert Hofer.

Diese Hasspostings schockieren Karl Michael. Löschen will er sie aber demonstrativ nicht, sagt er dem „Kurier“: „Ich lasse es bis zum Wahltag stehen. Die Leute sollen sehen, welche verabscheuungswürdigen Kommentare sich da ansammeln. Dann fangen sie hoffentlich an, nachzudenken“, so der 26-jährige Designer. Eine Hoffnung, die viele andere Österreicher schon aufgegeben haben.

„Das sind einfach kleine Seelen, die sich im Internet auslassen“

Zu den Kommentaren selbst sagte er gegenüber dem Online-Magazin „Vice“: „Ich hab irgendwann aufgehört, zu lesen. Was die Leute schreiben, trifft mich selber nicht. Ich weiß ja, das sind einfach kleine Seelen, die sich da im Internet auslassen.“ Dass auch offizielle FPÖ-Seiten das Video mit entsprechenden Kommentaren teilen, stößt ihm allerdings sauer auf. „Da kann mir dann im Nachhinein keiner mehr erklären, dass sich die FPÖ offiziell von den Kommentaren distanziert. Das ist einfach die mieseste Propaganda. Die sticheln das Volk gegen einen 26-jährigen Menschen auf“, ärgert er sich.

Der junge Designer bekommt für sein mutiges Statement allerdings auch jede Menge Unterstützung. „Karl Michael, ich bin völlig deiner Meinung und finde dein Video super. Die Hasskommentare, die du bekommen hast, schockieren mich zutiefst und liefern leider zusätzlichen Beweis für deinen Vergleich des Heute mit der NS-Zeit“, schreibt ein User unter das Video.

Einigen Hasspostern könnte übrigens in Kürze die Polizei beim Nachdenken helfen. Karl Michael hat angekündigt, die Morddrohungen gegen ihn zur Anzeige zu bringen.