Florenz: Gericht erkennt zwei Adoptivväter an

Familiengericht bestätigt die Adoption durch die britischen Behörden

Regenbogenfamilie
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Ein weiteres bahnbrechendes Urteil für die Rechte von Regenbogenfamilien in Italien hat das Familiengericht in Florenz am Mittwoch gefällt. Zwei Italiener, die lange in Großbritannien gelebt und dort zwei Söhne adoptiert haben, wurden gemeinsam als Väter ihrer Kinder anerkannt.

Zum ersten Mal wurde eine britische Adoption durch zwei Männer in Italien anerkannt

Es ist das erste Mal, dass in Italien die Adoption eines homosexuellen Paares aus einem anderen Land anerkannt wurde. Für Susanna Lollini, die Anwältin des Paares, ist die Entscheidung „zweifellos eine große Befriedung aus persönlicher und beruflicher Sicht, aber noch mehr aus menschlicher Sicht“.

Denn das Urteil des Familiengerichts in Florenz ist der erste Richterspruch, bei dem die Kinder mit ihren Eltern nicht biologisch verwandt sind. Bei vergangenen Urteilen ging es in der Regel um Stiefkind-Adoptionen, also die zusätzliche Adoption eines Kindes durch den nicht-leiblichen Elternteil.

Für die Richter handelt es sich um „eine echte und authentische Familie“

Dabei wurden viele Faktoren berücksichtigt: Unter anderem, dass die britischen Adoptionsbehörden eine „lange und tiefgehende“ Untersuchung angestellt hätten, ob das Männerpaar als Adoptiveltern geeignet sei. Erkenne Italien diese Beziehung nicht an, „würde das in rechtlichen Unsicherheiten münden, die einen negativen Effekt auf die Entwicklung der Kinder und ihre Persönlichkeit hätten“.

Die Richter erkannten in ihrem Urteil an, dass es sich bei dem schwulen Paar und seinen Kindern „um eine echte und authentische Familie“ handelt, „und die Beziehung zwischen Eltern und Kind als solche voll geschützt werden sollte.“ Mit dem Urteil erhalten die Kinder auch die italienische Staatsbürgerschaft.

Gerichte stärken die Rechte von Regenbogenfamilien in Italien

In den letzten Monaten haben italienische Gerichte mehrere Urteile gefällt, in denen die Rechte von Regenbogenfamilien gestärkt werden. Im Februar wurden im Trentino zwei schwule Männer als Väter eines Kindes anerkannt, das eine Leihmutter in Kanada geboren hatte. Es war das erste Mal, dass ein Gericht in Italien bestätigt hatte, dass ein Kind rechtlich zwei Väter haben kann.

Im August 2014 hatte ein Gericht in Rom bereits einem lesbischen Paar die Stiefkind-Adoption gestattet. Allerdings beziehen sich all diese Entscheidungen jeweils auf Einzelfälle. Die Regierung des damaligen Ministerpräsidenten Matteo Renzi musste 2016 die Möglichkeit der Stiefkind-Adoption aus dem Entwurf des Partnerschafts-Gesetzes streichen, um die Zustimmung seines konservativen Koalitionspartners zu bekommen.