Philippinen: Präsident Duterte schmettert Ehe-Öffnung ab

Im Wahlkampf noch dafür, möchte Rodrigo Duterte nun nichts mehr mit dem Thema zu tun haben

Rodrigo Duterte
Wikimedia/PCOO EDP

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat eine Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare in seinem Land abgelehnt – obwohl er im Wahlkampf noch damit geworben hat.  Er begründet seinen Meinungsumschwung mit der Bibel, die er vor seiner Wahl noch kritisiert hatte.

Transgender? Homosexuelle? „Nicht unsere Kultur, wir sind Katholiken“

In einer Rede vor Exil-Philippinern in Myanmar hat er sich auf die aktuelle Titelgeschichte des US-amerikanischen „Time“-Magazins bezogen, in der es um die sich verändernde Definition von Geschlecht geht. „Das ist ihre Kultur“, sagte er und meinte damit offensichtlich westliche Staaten. „Das ist für sie. Das kann man auf uns nicht anwenden, weil wir sind Katholiken“, so der 71-Jährige.

Danach meinte er: „Und es gibt das Zivilrecht, in dem steht, ich kann nur eine Frau heiraten, und eine Frau nur einen Mann. Das ist auf den Philippinen das Gesetz.“ Niemand hätte die Kraft „den großen Unterschied zwischen einer Frau und einem Mann auszulöschen“, fügte Duterte hinzu.

Er selbst habe kein Problem mit Lesben und Schwulen, betonte Duterte. Immerhin habe er selbst zwei schwule Schwager und einige homosexuelle Cousins, erklärte er: „Wo immer Gott dich hingestellt hat, bleib dort.“

Im Wahlkampf wollte Rodrigo Duterte noch die Ehe öffnen

Im Wahlkampf hörte sich das noch anders an. Letzten Jänner sagte er bei einer Diskussion, er würde sich für die Öffnung der Ehe einsetzen. Er sagte, es gebe einen „Fehler in der Bibel“, wenn dort stünde, die Ehe solle zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden. Unter dem Applaus der Zuhörer sagte er, es solle Ehen für „Adam, Eva und die Homosexuellen“ geben. Eine Meinung, die er auch kurz nach seiner Amtseinführung im Mai bekräftigt hat.

Die Philippinen gelten als eines der LGBT-freundlicheren Länder in Asien. Einer Umfrage aus dem Jahr 2014 zufolge glauben 73 Prozent, Homosexualität sollte gesellschaftlich akzeptiert werden. Rechtlich gibt es für Lesben und Schwule keinen Schutz, für gleichgeschlechtliche Paare keine Absicherung. Entsprechende Gesetzesentwürfe wurden vom Parlament immer wieder blockiert.

Es ist nicht das erste Mal, dass der umstrittene Staatschef durch homophobe Kommentare auffällt. Letztes Jahr sagte er nach einem Treffen mit Philip Goldberg, dem damaligen US-Botschafter in Manila: „Ich habe mich mit ihrem schwulen Botschafter gezofft, dem Hurensohn. Er geht mir auf die Eier.“