Streit um Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare in Israel

Theoretisch möglich, doch in der Praxis wird es abgelehnt: Jetzt soll das Oberste Gericht entscheiden

Regenbogenfamilie
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In Israel gibt es einen heftigen Streit über das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Eigentlich sind solche Adoptionen schon seit fast zehn Jahren erlaubt – doch in der Praxis werden die Anträge meistens abgelehnt.

Fast alle Anträge werden abgelehnt: LGBT-Verbände beschweren sich beim Höchstgericht

Dagegen haben LGBT-Verbände nun eine Petition beim Obersten Gerichtshof Israels eingebracht. Vertreten werden sie von der Rechtsanwältin Ricky Shapira Rosenberg. „Wir erwarten, dass das Gericht dem Staat sagen wird, dass diese Auslegung rechtswidrig ist. Denn ‚für das Wohl des Kindes‘ bedeutet, dass sie das Wesen der Eltern untersuchen sollen und nicht im Voraus Eltern ausschließen dürfen, nur weil sie in die eine oder andere Kategorie passen“, erklärt sie dem Bayerischen Rundfunk.

Was für ein politisches Minenfeld dieses Thema in Israel ist, musste die Regierung kürzlich selbst feststellen. Als die Richter die Regierung um eine Stellungnahme zu dem Thema ersuchte, erklärte diese, bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufzuwachsen bedeute für Kinder zusätzlichen „Ballast“. Das führte zu einem empörten Aufschrei, nicht nur innerhalb der LGBT-Community. Mittlerweile hat das zuständige Ministerium eine Reform bei der Bearbeitung von Adoptionswünschen angekündigt.

Orthodoxe Juden wollen schwule und lesbische Adoptiveltern verhindern

Doch dagegen laufen orthodoxe Juden nun Sturm. In einem offenen Brief hat eine Gruppe einflussreicher Rabbiner Justizministerin Ajelet Schaked aufgefordert, Adoptionen durch schwule und lesbische Paare prinzipiell zu verhindern. Unmöglich scheint das nicht: Schaked gehört der Partei „Jüdisches Heim“ nahe, die den konservativen Siedlern nahesteht und den Einfluss des Obersten Gerichts begrenzen möchte.

Für Shmuel Eliyahu, Oberrabbiner in der ultra-orthodoxen Hochburg Safed im Norden Israels, sind Lesben und Schwule „Kranke“, die behandelt werden müssten, um sie heilen zu können: „Die schwul-lesbische Gemeinde und ihre Freunde bei den Medien versuchen uns zu verbieten zu sagen, was Gott sagt“, sagt er.

Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs steht noch aus – und sie wird wohl noch auf sich warten lassen. Beobachter gehen davon aus, dass das Höchstgericht von der Regierung verlangen wird, sicherzustellen, das schwule und lesbische Paare nicht nur theoretisch, sondern auch in der Praxis Kinder adoptieren dürfen. Der Widerstand homophober religiöser jüdischer Extremisten wird damit aber sicher nicht gebrochen.