Nicht nur Volker Beck sagt Ja: Das war der erste Tag der „Ehe für alle“

In Berlin, Hamburg oder Hannover legten die Standesämter eine Sonderschicht ein

Eheringe
Symbolbild - Fotolia

Deutschland hat gestern die Ehe für schwule und lesbische Paare geöffnet: Mit dem Stichtag 1. Oktober trat das „Eheöffnungsgesetz“ in Kraft. Die ersten Paare haben den Tag, an dem das Gesetz in Kraft tritt, gleich genutzt, um auf den Standesämtern den gleichwertigen Bund fürs Leben zu schließen. Mit dem ehemaligen Grünen Bundestagsabgeordneten Volker Beck und dem Hamburger Bezirksbürgermeister Falko Droßmann haben auch zwei prominente Politiker ihren jeweiligen Partner geheiratet.

In Nordrhein-Westfalen drängte sich ein Paar vor

Das allererste Paar, das sich in Deutschland das Ja-Wort gegeben haben dürfte, war Bernd Göttling und Dieter Schmitz aus Frechen in Nordrhein-Westfalen. Wie der WDR berichtet, hätten sie eigentlich um 10.00 Uhr heiraten sollen. Nachdem sie erfahren hatten, das der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) die erste schwule Eheschließung um 9.30 Uhr in Berlin organisiert hatte, verlegten sie ihre Trauung kurzerhand vor.

Trotzdem haben Bodo Mende und Karl Kreile am Standesamt von Berlin-Schöneberg um 9.30 Uhr unter großem Andrang der Öffentlichkeit ihre Lebenspartnerschaft in einer Zeremonie zu einer Ehe umwandeln lassen. Der 60-jährige Mende und sein ein Jahr jüngerer Mann sind seit 38 Jahren ein Paar, auf dem Standesamt in Schöneberg ließen sie schon 2002 ihre Lebenspartnerschaft eintragen.

Dass der Staat ihre Partnerschaft endlich als gleichwertig akzeptiert, „ist eine ganz wichtige Botschaft in die Gesellschaft hinein“, so Mende gegenüber dem Tagesspiegel. „Da will man schon zu den ersten gehören.“, ergänzt Kreile. Nach der Trauung trugen sie sich ins Goldene Buch des Bezirks Tempelhof-Schöneberg ein.

Volker Beck, einer der Kämpfer der Ehe für alle, nutzte die erste Gelegenheit

Wenig später heiratete der Grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck am Standesamt von Berlin-Kreuzberg seinen Partner, den Architekten Adrian Petkov. Auf dem Weg zu einer Feier mit Freunden nannte Beck seine Trauung persönlich und politisch bewegend. „Es wird Wirklichkeit, wofür wir 28 Jahre lang gekämpft haben„, sagte er. „Mit den Bildern des heutigen Tages traut sich hoffentlich keiner mehr, dagegen etwas zu haben.“

Das erste Paar, das vor der Eheschließung nicht in einer Eingetragenen Partnerschaft war, dürfte allerdings in Hamburg geheiratet haben: Um 11.00 Uhr hat der Hamburger Bezirksbürgermeister Falko Droßmann seinen Partner Denny auf der „Rickmer Rickmers“ standesamtlich geheiratet – im engsten Familienkreis. Danach holte sich das Paar in der Hamburger Hauptkirche St. Jakob den kirchlichen Segen.

Große Zeremonie mit 15 schwulen und lesbischen Paaren im Hamburger Rathaus

Etwas später gaben sich 15 schwule und lesbische Paare nur wenige Meter entfernt im Hamburger Rathaus in kleinen Zeremonien das Ja-Wort. Hinterher lud Hamburgs Zweite Bürgermeisterin, Katharina Fegebank von den Grünen, zum feierlichen Empfang.

Ein Paar, das unter all diesen gleichgeschlechtlichen Paaren herausstach, war der 88-jährige Alfred Kaine und sein sechs Jahre jüngerer John Günther. Sie sind seit 56 Jahren zusammen. Als sie sich verliebten, war Homosexualität in Deutschland noch verboten. Für sie ist es das dritte Ja-Wort: 1999 gingen sie die „Hamburger Ehe“ ein, die eher symbolischen Charakter hatte. Wenige Jahre später folgte die Lebenspartnerschaft, nun die Ehe. „Der heutige Tag war für mich überwältigend“, sagte Kaine. „Wir möchten uns bei allen Menschen bedanken, die ihren Beitrag dazu geleistet haben, dass das heute möglich ist“, ergänzt Günther.

Partnerschafts-Pioniere heirateten auch am ersten möglichen Tag

Und in Hannover heirateten am 1. Oktober der 57-jährige Reinhard Lüschow und sein sieben Jahre älterer Partner Heinz-Friedrich Harre. Sie sind vor 16 Jahren als bundesweit erstes homosexuelles Paar eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen. „Bisher waren wir ein Paar zweiter Klasse, aber jetzt sind wir endlich gleichgestellt“, freut sich Lüschow.

Mit der Öffnung der Ehe hat Deutschland als eines der letzten westeuropäischen Länder die volle rechtliche Gleichstellung Homosexueller und Heterosexueller im Eherecht ermöglicht.