Gegen die Wiener SPÖ durchgesetzt: So kam Mario Lindner in den Nationalrat

Mit Unterstützung von Christian Kern konnte der Obersteirer sein Mandat erfolgreich verteidigen

Mario Lindner
Daniel Klein

Seit gestern ist es fix: Mario Lindner, Bundesvorsitzender der sozialdemokratischen LGBT-Initiative SoHo, zieht für die SPÖ in den Nationalrat. Damit wird die SoHo zum ersten Mal in ihrer Geschichte mit einem Abgeordneten im Nationalrat vertreten sein. Wie die Kleine Zeitung schreibt, soll sich Lindner bei der Frage, wer ins Parlament kommt, gegen Teile der  mächtigen Wiener SPÖ durchgesesetzt haben – mit Unterstützung von Parteichef Christian Kern.

Für Lindner ist das Mandat ein Auftrag, für Grundsätze einzutreten, für die er in den letzten Jahren gekämpft hat

„Dieses Mandat ist für mich eine unglaubliche Ehre – und ich verstehe es als klaren Auftrag, für die Grundsätze, für die ich schon in den letzten Jahren gekämpft habe, auch im Nationalrat einzutreten“, so Lindner: „Gerade angesichts der schwarz-blauen Koalition, die sich abzeichnet, geht es darum, dass wir gemeinsam mit der Mehrheit der Bevölkerung das offene, moderne und vielfältige Österreich verteidigen! Und gemeinsam werden wir das schaffen!“

In den Nationalrat kommt Lindner unter anderem, weil der ehemalige SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler sein Nationalratsmandat nicht annimmt und im Wiener Gemeinderat bleibt. Der aus dem ÖGB kommende Lindner war Nächstgereihter und damit logischer Nachfolger.

SPÖ Wien soll versucht haben, Mario Lindners Platz im Nationalrat zu bekommen

Doch wie die Kleine Zeitung berichtet, sollen Teile der Wiener SPÖ in den letzten Tagen alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, damit der 35-jährige Obersteirer auf sein Mandat verzichtet und dieses in Hand der Wiener bleibt – damit der neue Bundesgeschäftsführer Christoph Matznetter, Mitglied der SPÖ Wien, in den Nationalrat einzieht.

Letztendlich konnten sich aber offenbar SPÖ-Chef Christian Kern sowie der steirische SPÖ-Parteichef Michael Schickhofer mit ihrem Wunsch, Lindner in den Nationalrat zu schicken, durchsetzen. „Mario Lindner hat als Bundesratspräsident hervorragende Arbeit geleistet“, so Schickhofer zur Kleinen Zeitung: „Sein Einzug ist ein starkes Signal an die Obersteiermark, die Gewerkschaft und ein klares Bekenntnis zu einer modernen, weltoffenen und vielfältigen Sozialdemokratie.“

Lindner, der seit Juni 2017 Bundesvorsitzender der SoHo ist, trat schon im zweiten Halbjahr 2016 als Präsident des Bundesrates ins mediale Scheinwerferlicht. In dieser Zeit sorgte er auch mit seinem öffentlichen Outing auf der Bühne der Regenbogenparade für Aufsehen.