Klerikal-konservative Katholikin Kugler kommt für die „Neue ÖVP“ in den Nationalrat

Grundmandat im von SPÖ und FPÖ dominierten "Transdanubien" bringt der umstrittenen Politikerin einen Sitz im Nationalrat

Gudrun Kugler
privat

Einen neuen, liberaleren Anstrich hat sich die Volkspartei unter Sebastian Kurz gegeben – und damit die Nationalratswahl am 15. Oktober gewonnen. Doch die Realität ist eine andere. So hat sich Sebastian Kurz wiederholt gegen eine Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare ausgesprochen. Und eine der konservativsten ÖVP-Politikerinnen in Wien wird nun vermutlich in den Nationalrat einziehen.

Gudrun Kugler gewinnt ein überraschendes Grundmandat für die ÖVP

So dürfte die derzeitige ÖVP-Gemeinderätin Gudrun Kugler nach jetzigem Stand überraschenderweise ein Direktmandat in ihrem Wahlkreis Wien-Nord, den eher nicht ÖVP-affinen Bezirken Floridsdorf und Donaustadt, errungen haben. Zusätzlich hat die klerikal-konservative Katholikin 2011 Vorzugsstimmen in ihrem Wahlkreis erreicht – was sechs Prozent aller ÖVP-Stimmen in ihrem Wahlkreis entspricht.

Kugler hat unter anderem zusammen mit dem Salzburger Weihbischof Andreas Laun eine Webseite für christliche Singles ins Leben gerufen. Nach Informationen des Kurier fordert sie auch, dass christliche Standesbeamte eine eingetragene Partnerschaft aus Glaubensgründen ablehnen dürfen. Ihre Aufstellung als Kandidatin war deshalb auch innerhalb der ÖVP Wien nicht unumstritten.

Kugler kämpft gegen die „Diskriminierung von Christen“ und die Öffnung der Ehe

Gudrun Kugler engagiert sich auch gegen „soziale Diskriminierung und Verfolgung aufgrund des christlichen Glaubens“. Dazu hat sie die „Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa“ gegründet. Zu „Intoleranz gegen Christen“ habe unter anderem auch die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geführt, schrieb sie 2015 in einem Artikel für die Zeitschrift des Mittelschüler-Kartellverbandes (MKV).

Dort meinte sie außerdem, die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare führe unter anderem zur Geschwisterehe. „Die Homoehe führt unweigerlich zu schrittweisen Erweiterungen wie Polygamie (bereits ernsthaft diskutiert) oder eine Ehe für beste Freundinnen oder unter Geschwistern“, so Gudrun Kugler damals.

Gudrun Kugler möchte gerne Menschenrechtssprecherin der ÖVP im Parlament werden

Ihren Platz im neuen ÖVP-Klub scheint Kugler schon gefunden zu haben: „Ich stehe für christliche Werte, viele Menschen finden das für Österreich sehr, sehr wichtig“, sagte sie dem ORF Wien. Ihr Ziel sei es, Menschenrechtssprecherin der ÖVP im Parlament zu werden. Ob das der Rest der Partei auch so sieht, wird sich in den nächsten Sitzungen des ÖVP-Klubs zeigen.

Gudrun Kugler ist auch gegen die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare. „Trotz höchstrichterlichem Urteil (…) sollte in der Adoption die (heterosexuelle, Anm. d. Red.) Ursprungsfamilie möglichst nachgebaut werden“, meinte Kugler in einem Artikel: Das sei „in der Kinderrechtekonvention vorgesehen“, ist sie überzeugt.

Im Jahr 2012 hat es Kugler geschafft, ÖVP und FPÖ gleichermaßen gegen die damalige Unterrichtsministerin Claudia Schmied aufzubringen. Grund dafür war eine Aufklärungsbroschüre für sechs- bis zwölfjährige Schüler, in der auch Transgender und Homosexualität thematisiert werden – und damit nach Meinung der Konservativen die „Kernfamilie“ untergraben.