Brasilien: Offen lesbische Politikerin Marielle Franco erschossen

Beliebte Kommunalpolitikerin wurde in ihrem Auto erschossen

Marielle Franco
Midla Ninja - CC BY-SA 2.0

Aus Protest gegen den Mord an der offen lesbischen Kommunalpolitikerin und Menschenrechtsaktivistin Marielle Franco in Brasilien sind gestern Zehntausende Menschen in verschiedenen Teilen des Landes auf die Straße gegangen. Franco war am Mittwoch in Rio de Janeiro in ihrem Auto regelrecht hingerichtet worden.

Zehntausende Demonstranten gedachten Marielle Franco bei einer Spontan-Demo

Eine riesige Menschenmenge zog durch die Innenstadt von Rio de Janeiro, um Franco zu gedenken. Mit weit mehr als 10.000 Teilnehmern war es eine der größten spontanen Demonstrationen in der Stadt seit Jahren.

Die 38-Jährige saß seit 2016 für die linke Partei für Sozialismus und Freiheit (PSOL) im Stadtrat von Rio de Janeiro. Bei den Wahlen bekam Franco das fünftbeste Ergebnis aller Abgeordneten. Die offen lesbische Politikerin trat für die Rechte sexueller Minderheiten ein und versuchte, einen Tag zur Sichtbarmachung von Lesben zu initiieren.

Sie setzte sich vor allem für die Bevölkerung in den Armenvierteln von Rio de Janeiro ein

Vor allem setzte sich Marielle Franco aber für die Bevölkerung in den Favelas, den Armenvierteln der Stadt, ein. Sie wuchs selbst in Mare, einer der ärmsten Favelas von Rio, auf. Zuletzt hatte sie der Polizei vorgeworfen, Polizeibeamte hätten mehrere Morde begangen. In Rio leitete sie eine Kommission, die den Polizei- und Militäreinsatz gegen Drogenbanden in den Armenvierteln der Stadt überwachen soll.

Franco wurde am Mittwoch in ihrem eigenen Auto erschossen, als sie nach einer Veranstaltung zur Förderung schwarzer Frauen nach Hause kam. Ein Auto mit zwei Insassen hielt neben ihr an und schoss neun Mal auf den Wagen der Politikerin. Er traf Franco dreimal in den Kopf, auch ihr Fahrer wurde getötet. Ihr Pressesprecher, der auf dem Rücksitz saß, überlebte den Anschlag verletzt.

Die Polizei geht von einem politischen Motiv aus

Genaue Informationen über die Hintergründe ihrer Ermordung gibt es nicht. Aber: „Es sieht ganz klar nach einer Exekution aus“, erklärt Marcelo Freixo, einer der beiden Vorsitzenden der PSOL: „Alle Schüsse waren auf sie gerichtet. Das war ein Profi.“ Polizei, Staatsanwaltschaft und sogar lokale Gang-Führer gehen von einem politischen Motiv aus.

Der brasilianische Präsident Michel Temer bezeichnete den Mord an Franco als „Angriff auf die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit“. Er versprach volle Unterstützung durch die Bundesbehörden. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine umfassende Untersuchung „der Hintergründe, des Motivs und der Verantwortlichkeit“.