Witwe des „Pulse“-Attentäters vom Verdacht der Mitwisserschaft freigesprochen

Geschworener ist sich aber sicher: "Sie hat wahrscheinlich nicht gewusst, wann und wo, aber sie hat vom Anschlag gewusst"

Noor Zahi Salman, Omar Mateen und Sohn
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Noor Salman, die Witwe des Pulse-Attentäters Omar Mateen muss nicht ins Gefängnis. Ein Geschworenengericht in Orlando sprach sie von dem Vorwurf frei, ihrem Mann bei der Planung des Massakers in einem Schwulenclub geholfen zu haben. Mateen tötete bei dem Attentat am 12. Juni 2016 im Pulse 49 Menschen und verletzte mehr als 50, bevor er selbst von der Polizei erschossen wurde.

Die Staatsanwaltschaft warf der 31-jährigen Noor Salman Beihilfe und Begünstigung des Anschlags und Behinderung der Justiz vor. So soll sie ihren Mann vor dem Anschlag mindestens einmal ins Pulse begleitet haben. Auch soll sie mit ihm gemeinsam die Munition für den Anschlag gekauft haben, so die Staatsanwaltschaft. Auch soll sie anfangs gegenüber der Polizei falsche Angaben gemacht haben.

Doch die Verteidigung konnte die Geschworenen offenbar davon überzeugen, dass Salman den Plan ihres Mannes nicht kannte und das FBI „ihren Mangel an Rafinesse ausnutzte, um sie dazu zu bringen, Dinge zuzugeben, die sie nicht getan hatte“. Als der Freispruch verkündet wurde, bedeckte sie ihr Gesicht mit den Händen, während Angehörige der Opfer hinter ihr anfingen zu weinen.

Der zuständige Sheriff von Orange County, Jerry L. Demings, sagte, er sei vom Ergebnis des Prozesses enttäuscht und wisse, dass die Opfer und ihre Familien noch viel mehr enttäuscht seien. Die renommierte Washington Post bezeichnete den Freispruch als „erstaunliches Urteil“. „Sie mag nicht schuldig sein, aber sie ist nicht unschuldig“, sagte Pulse-Patron Louis Morales, der mit anderen Menschen vor dem Gerichtsgebäude protestierte: „Sie wusste etwas“, ist er überzeugt.

Auf der Webseite ClickOrlando.com berichtet ein Geschworener, der anonym bleiben wollte, dass man trotz des Freispruchs überzeugt war, dass sie von den Anschlagsplänen ihres Mannes wusste. „Sie hat wahrscheinlich nicht gewusst, wann und wo, aber sie hat es gewusst. Unsere Aufgabe war es aber nicht, um zu enscheiden, ob sie von einem möglichen Anschlag wusste. Die Anklagepunkte waren Beihilfe, Begünstigung und Behinderung der Justiz.“

Während des Prozesses wurde bekannt, dass der Vater des Attentäters als FBI-Informant gearbeitet hatte: So soll Seddique Mateen von 2005 bis zum Anschlag im Pulse gelegentlich vertrauliche Informationen an die US-Bundespolizei weitergegeben haben. Darunter sollen auch Kommentare seines Sohnes gewesen sein, die einen terroristischen Hintergrund gehabt hatten. Das FBI hat deshalb schon 2013 gegen Omar Mateen ermittelt.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Vater des Pulse-Attentäters und dem FBI endete allerdings kurz vor dem Attentat im Jahr 2016. Nachdem Seddique Mateen Geld nach Afghanistan und in die Türkei überwiesen hatte, geriet er selbst ins Visier des FBI.