Freitag, 23. Februar 2024
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„Biorhythmus“: AfD will Berghain schließen und Darkroom erleuchten

Gescheiterte Club-Besitzerin möchte eine der besten Techno-Locations der Welt schließen

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Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg möchte eine Abgeordnete der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ (AfD) gerne das Berghain schließen lassen. Danach soll der Club mit gesitteten Öffnungszeiten und züchtiger Beleuchtung wieder aufsperren dürfen – um den Gästen „einen drogenfreien Besuch unter Berücksichtigung eines natürlichen Biorhythmus“ zu ermöglichen.

Türsteher werden als „unintelligente, unansehnliche Wichtigtuer“ verunglimpft

Der Antrag von Sibylle Schmidt, die als parteilose Abgeordnete für die AfD in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) liest sich ein wenig, als ob sie selbst einmal zu oft nicht an den Türstehern vorbeigekommen wäre. „Ein Musikclub hat durch Eintrittsgelder und dem sauberen und ordentlichen Verkauf von Getränken die Genehmigung, ein ansprechendes Programm zu finanzieren. Dies ist im Berghain durchaus möglich, wenn Zahlungswillige nicht durch unintelligente, unansehnliche Wichtigtuer selektiert würden“, schreibt sie in dem Antrag.

Es sei die Aufgabe der Betreiber, „sich beispielsweise in Manchester, London, Rio oder auf Sardinien in berühmten, funktionierenden Clubs Nachhilfe in Ablauforganisation und Musikprogramm zu holen“, gibt die Bezirkspolitikerin den Betreibern eines der besten Clubs der Welt gute Ratschläge. Den jetzigen Betreibern möchte sie am liebsten die gewerberechtliche Erlaubnis entziehen: Das Berghain setze sich über Gesetze hinweg und schaffe sich so einen Wettbewerbsvorteil, so die Bezirkspolitikerin.

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Wegen einer fehlenden Lizenz musste die Politikerin ihren eigenen Club schließen

Und darin könnte das Motiv für den Antrag liegen: Denn in der Berliner Clubszene ist die AfD-Bezirkspolitikerin keine Unbekannte. Sie betrieb in den 1980ern den alternativen Szene-Club „Blockschock“ in Kreuzberg, gründete Mitte der 90er „Tanzschule Schmidt“ in Berlin-Mitte. Wegen einer fehlenden Lizenz als Vergnügungsstätte und der Lage in einem Wohngebiet machte das zuständige Bezirksamt diesen Club allerdings ziemlich schnell wieder dicht.

Dafür könnte nun das Berghain büßen müssen. Denn geht es nach Schmidt, soll der Club, der derzeit praktisch das ganze Wochenende geöffnet hat, nur mehr von 22.00 bis 6.00 offenhalten dürfen – dem Biorhythmus zuliebe. Denn „durchgängige Öffnungszeiten fordern den Gebrauch wach haltender Substanzen geradezu heraus“, schreibt sie in ihrem Antrag. Dabei beruft sie sich auf den Fall einer amerikanischen Touristin, die nach ihrem Besuch im Berghain verstarb.

Und das sei kein Einzelfall gewesen, betont die AfD-Abgeordnete. „In umliegende Krankenhäuser werden junge Frauen und Männer eingeliefert, die durch chemische Substanzen die Kontrolle über sich verlieren und z.T. missbraucht werden“, so der Antrag. Drogen aller Art „werden konsumiert und können leicht erworben werden“.

Sex sollte „durch Beleuchtung und Personal“ unterbunden werden

Die dort beliebten Darkrooms möchte Schmidt auch schließen: Sexuelle Handlungen jeder Art seien „durch entsprechende Beleuchtung und Personal zu unterbinden“, heißt es in ihrem Antrag weiters. Es sei „Aufgabe des Bezirksamtes, unerfahrene Gäste und Berlin-Besucher vor unverantwortlichen und gefährdenden Betrieben zu schützen“ – und das Berghain ist für Sibylle Schmidt genauso ein Betrieb.

Das „Berghain“ ist 2018 erstmals seit sieben Jahren wieder unter den Top Ten der vom Fachmagazin „DJ Mag“ gekürten Clubs weltweit. Der Antrag der AfD wird frühestens auf der kommenden Sitzung des Bezirksparlaments am 25. April beraten werden. Die AfD stellt dort drei von 55 Abgeordneten.