PreP für schwule Männer: Das sind die ersten offiziellen Empfehlungen

Aids-Gesellschaften aus Deutschland und Österreich haben jetzt die erste Leitlinie veröffentlicht

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Die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) gilt schon länger als neuer Hoffnungsschimmer im Kampf gegen HIV und Aids: Durch die Abgabe eines HIV-Medikamentes an Nichtinfizierte kann eine Ansteckung in den meisten Fällen verhindert werden. In einigen Städten wie London ist die Zahl der Neuinfektionen dadurch merkbar zurückgegangen. Nun haben die Aids-Gesellschaften aus Deutschland und Österreich die erste Leitlinie zur PrEP veröffentlicht.

PrEP für Personen mit einem „substanziellem HIV-Infektionsrisiko“ – darunter auch viele schwule Männer

Demnach sollen Personen mit einem „substanziellem HIV-Infektionsrisiko“ die PrEP bekommen. Dazu gehören Männer, die Sex mit Männern haben, und Transgender-Personen – wenn sie in den letzten drei bis sechs Monaten Analsex ohne Kondom hatten oder künftig haben werden, oder auch, wenn sie im letzten Jahr an sexuell übertragenen Krankheiten litten. Das entspricht auch den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO),

Bei weiteren Risikogruppen wie etwa Prostituierten weicht die deutsch-österreichische Leitlinie aber von den Empfehlungen der WHO ab. So heißt es, eine allgemeine Empfehlung für Prostituierte, die PrEP zu nehmen, sei nicht erforderlich. Allerdings gebe es auch außerhalb der Risikogruppen „individuelle Konstellationen“ mit einem hohen Risiko einer HIV-Infektion.

Jeder, der nach einer PrEP fragt, soltte sie auch bekommen, fordern die Experten

So seien vor allem bekannte sexuell übertragene Infektionen ein guter Hinweis zur individuellen Risikoeinschätzung. Zwischen Nachfrage einer PrEP und einem tatsächlich erhöhten Risiko gebe es meistens tatsächlich einen Zusammenhang. Deshalb sollte „bei jedem, der aktiv nach einer PrEP fragt, eine sorgfältige Risikoevaluation durchgeführt werden und gegebenenfalls eine PrEP verschrieben werden“, so die Autoren der Leitlinie.

Medizinische Leitlinien sind systematisch entwickelte Feststellungen von Experten. Anders als Richtlinien sind diese aber nicht bindend. Die neuen Leitlinien ersetzen die „Vorläufigen Empfehlungen“ der Deutsch-Österreichischen Aids-Gesellschaft zur Durchführung der PrEP.

Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch eine Einnahme vor gewissen Anlässen möglich

Die Leitlinie empfiehlt zum Schutz eine Kombination aus den Wirkstoffen Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil. Ein vollständiger Schutz ist in der Regel zwei Tage nach Beginn der Einnahme gegeben. Eine phasenweise Einnahme zu bestimmten Anlässen ist der Leitlinie zufolge ebenso möglich, brauche aber eine besonders eingehende Beratung.

In Studien konnte gezeigt werden, dass eine PrEP bei HIV-negativen Personen das relative Risiko einer Ansteckung um 86 Prozent reduziert, bei verlässlicher Einnhahme sogar um 99 Prozent.

Mit der PrEP alleine ist es nicht getan

Bedingungen für die PrEP-Einnahme sind der Leitlinie zufolge ein negativer HIV-Test zu Beginn der Einnahme und ein weiterer vier Wochen danach, außerdem eingehende Aufklärung und Beratung. Während der Einnahme der Prophylaxe sollen regelmäßig ein HIV-Test sowie Tests auf weitere sexuell übertragbare Infektionen erfolgen, damit diese gegebenenfalls schnell behandelt werden können.

Die PrEP steht Interessierten in Deutschland und Österreich seit etwa zwei Jahren zur Verfügung. Mit Generika und speziellen Angeboten von Apothekern konnte der Preis für eine Monatsdosis auf bis etwa 50 Euro reduziert werden. Krankenkassen und Zusatzversicherungen übernehmen die Kosten nicht.