„Schwuchteln und Neger“: FPÖ-Stadtrat entschuldigt sich, aber kein Rücktritt

An einen Rücktritt denkt er nicht - und für FP-Minister Hofer zeigt das Sujet "Situation im Promillebereich"

ÖBB-Vorteilskarte Familie
Alkis Vlassakakis/Facebook; ÖBB

Keine Konsequenzen will die FPÖ aus den rassistischen und schwulenfeindlichen Äußerungen ihres Amstettner Stadtrates ziehen:  Bruno Weber hatte eine ÖBB-Werbung für die Familien-Vorteilskarte kritisiert, weil auf dieser „2 vermeintliche Schwuchteln mit Baby und davon noch ein Neger“ zu sehen waren. Für diese Formulierung hat er sich mittlerweile entschuldigt.

„Meine Reaktion war inakzeptabel“, gibt der Stadtrat klein bei

„Meine Reaktion auf das am Dienstag hier in Facebook gepostete ÖBB-Werbeplakat war meinerseits und aufgrund der verwendeten Begriffe inakzeptabel. Als konservativer Mensch und Familienvater ist mir das traditionelle Familienbild wichtig ….. Für die von mir gewählte Formulierung dazu, entschuldige ich mich in aller Form. Ich habe da einen Fehler gemacht und wollte niemanden in seinen Gefühlen verletzen“, schrieb Weber heute. Außerdem kündigte er an, 1.500 Euro für den Verein „Licht für Kinder“ zu spenden.

Ob die Causa mit der Entschuldigung und der Geldspende erledigt ist, darf allerdings bezweifelt werden. Denn die Kritik reißt nicht ab. „Die ÖBB macht eine Werbe-Kampagne, die die Vielfalt unserer Gesellschaft spiegelt und FPÖ-Funktionäre zeigen per Social Media wo sie ideologisch stehen: Nämlich rechtsaußen, weit weg von Grundrechten und Toleranz“, erklärt SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher: „Es ist mir unverständlich, aber doch ist es zugleich sehr aussagekräftig, dass Minister Hofer dazu schweigt.“

Norbert Hofer versucht, die Wichtigkeit der Kampagne herunterzuspielen

Der zuständige Infrastrukturminister versucht unterdessen, die Aufregung klein zu halten – und verpackt eine ähnliche Botschaft geschickter. „Rein aus fachlicher Sicht (Ziel der ÖBB: möglichst viele Family Cards verkaufen) stellt sich die Frage, ob das betroffene Sujet einen großen Verkaufs-Turbo anwirft. Die Haupt-Zielgruppe sind wohl überwiegend Eltern mit Kind(ern), Oma/Opa mit Enkelkind(ern) sowie alleinerziehende Mütter/Väter mit Kind(ern). Die am heiß diskutierten Plakat abgebildete Situation ist in Österreich wohl eher im Promillebereich angesiedelt.“, so Norbert Hofer.

Die Partei selbst lässt bei ihrem Mandatar übrigens noch einmal Milde walten. „Es gab eine sehr scharfe Aussprache mit Bruno Weber, das Posting ist absolut inakzeptabel. Und Landeschef Walter Rosenkranz wird Bruno Weber einen schriftlichen Verweis zustellen. Das heißt im Klartext: Bei der nächsten Kleinigkeit ist Bruno Weber nicht mehr bei der FPÖ“, erklärte Generalsekretär Christian Hafenecker.

Auch die Israelitische Kultusgemeinde kritisiert die FPÖ und fordert einen Rücktritt Webers

Das reicht nicht, betont die Israelitische Kultusgemeinde: „Stadtrat Weber und Gleichgesinnte haben in der Politik nichts verloren. Ermahnungen sind zu wenig, ein Rücktritt ist fällig ohne Rückkehrrecht, wenn sich die Aufregung wieder gelegt hat. Besser wäre es gewesen, Herr Weber wäre nicht in die Politik gegangen. Auf jeden Fall sagt die schiere Anzahl der ‚Einzelfälle‘ viel über das der FPÖ zur Verfügung stehende Reservoir an Mandatsträgern aus“, heißt es in einer Aussendung.

Auch die Grünen fordern den Rücktritt des Stadtrats, der auch für die Wohnungsvergabe in Amstetten zuständig ist. Sollte er dieser Aufforderung nicht nachkommen, werden die Grünen Amstetten bei der nächsten Gemeinderatssitzung einen Misstrauensantrag stellen.

Die ÖBB reagieren auf die Aufregung übrigens entspannt. „Schön, dass ihr über unsere VC Family sprecht. Die Karte ist für Mamas, Papas, Opas, Omas, Tanten, Onkel oder FreundInnen, die mit Kindern unterwegs sind. Familien gibt es in unterschiedlichsten Konstellationen und das ist gut so“, schreiben sie auf Twitter – und bekommen dafür jede Menge Applaus.