#TeenStarLeaks – Landesschulrat und Ministerium stoppen umstrittene Kurse

Weisung an alle Landesschulräte soll die Aktivitäten des Vereins deutlich einbremsen

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Der christlich-fundamentalistische Verein Teenstar darf sein Programm nicht mehr an Salzburger Pflichtschulen anbieten. Das geht aus einem Erlass des Landesschulrats für Salzburg vom 10. Oktober hervor, das GGG.at vorliegt. Auch das Bildungsministerium hat gestern reagiert und die Landesschulräte angewiesen, die Zusammenarbeit einzustellen.

Der Verein Teenstar bietet Aufklärungsworkshops in Volksschulen und Kurse für Jugendliche an, die den Zugang zu einer „ganzheitlicher Sexualität“ vermitteln sollen – doch diese entsprechen nicht modernen Standards, sondern sollen nur konservative Ansichten untermauern.

Masturbation wird mit Drogen gleichgesetzt

So bezeichnet Teenstar in Unterlagen, die der HOSI Salzburg zugespielt wurden, Masturbation als Problem. „Bei Masturbation war es beispielsweise einfach so, dass das gleichgestellt worden ist mit Drogen und Süchten“, erinnert sich eine Sozialpädagogin, die sich bei Teenstar ausbilden lassen wollte, im Gespräch mit dem ORF Salzburg.

Auch sei Teenstar zufolge Sex vor der Ehe zu vermeiden. Homosexualität wird in den Unterlagen als „Identitätsproblem“ bezeichnet, das „oft durch eine Kombination von Therapie, speziellen Selbsthilfegruppen und geschulter Seelsorge“ geändert werden könne. Auch die Rollenbilder, die bei den Kursen vermittelt werden, sind überaus traditionell.

Die Teenstar-Ideologie widerspricht offenbar dem Grunderlass Sexualpädagogik

Das widerspricht offensichtlich dem 2015 überarbeiteten Grunderlass Sexualpädagogik. Dieser stellt die wichtigste rechtliche Grundlage für sexuelle Bildung an Schulen dar. Ihm zufolge sollen in der Sexualpädagogik „wissenschaftlich gestützte, realistische und nicht verurteilende Informationen weitergeben werden“.

Die Sexualpädagogik solle sich „am Prinzip der Gleichstellung der Geschlechter sowie der Vielfalt der Lebensformen (z.B. sexuelle Orientierung, Geschlechteridentitäten) orientieren“ und „an internationalen Menschenrechten ausgerichtet“, heißt es in dem für alle Schulen verbindlichen Grundsatzerlass weiter. Maßstäbe, die den vorliegenden Unterlagen zufolge nicht immer von Teenstar eingehalten wurden.

Die HOSI Salzburg hat die Behörden gebeten, die Unterlagen von Teenstar zu prüfen

„Die von Teenstar vermittelten Familienbilder sowie die Darstellung von Geschlechterrollen spiegeln ein zutiefst antiquiertes und rückschrittliches Weltbild wider. Dieses ignoriert einerseits gelebte Realitäten und trägt andererseits zur Verfestigung patriarchal geprägter Strukturen bei“, erklärt Kathleen Schröder, Bildungsbeauftragte der HOSI Salzburg und Gesundheitspräventologin.

Deshalb hat die HOSI Salzburg Ende Juli 2018 das Bildungsministerium und den Landesschulrat Salzburg um eine Überprüfung der Unterlagen und eine Unterbindung von Schulworkshops gebeten, die die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gefährden. Die Unterlagen wurden Anfang August dem Bildungsministerium und Ende September dem Landesschulrat übergeben.

Der Salzburger Landesschulrat hat alle Workshops mit Teenstar kurzfristig gestoppt

Der Salzburger Landesschulrat reagierte schnell: Er wies die Pflichtschulen in der Causa Teenstar an, dass „geplante und bereits vereinbarte Workshops zu unterlassen sind“, bis der Fall endgültig geklärt sei.

Diese Klärung aus dem Ministerium kam gestern: Wie die ZIB 2 berichtet, hat das Bildungsministerium die inhaltliche Arbeit des Vereins durch interne und externe Experten untersuchen lassen. Noch im November werde es an alle Landesschulräte eine Anweisung geben, nicht mehr mit Teenstar zusammenzuarbeiten. Der Verein lehre bedenkliche Inhalte, die nicht mit dem österreichischen Lehrplan in Einklang zu bringen seien, so das Ministerium nach Informationen des TV-Nachrichtenmagazins.

Sexualpädagogin und HOSI-Obfrau Rothuber begrüßt die schnelle Entscheidung der Behörde

„Als Sexualpädagogin begrüße ich es, dass eine Prüfung der Teenstar-Unterlagen des Landesschulrates Salzburg einen Stopp dieser Angebote an den Schulen bewirkt hat“, so Gabriele Rothuber, Obfrau der HOSI Salzburg: „Nun liegt es am Bundesministerium, aus dessen Händen der Grundsatzerlass Sexualpädagogik stammt, ebenfalls nachzuziehen.“

Eine Ideologie, die Homosexualität als therapiebedürftig ansehe, ‚Natürliche Familienplanung‘ für Jugendliche und ‚keinen Sex vor der Ehe‘ propagiere, halte sich „weder an den Grundsatzerlass Sexualpädagogik, noch orientiert sie sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen oder an der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen“, so Rothuber weiter: „Im Gegenteil: Diese Ideologie schürt Hass gegen Minderheiten und stellt eine Gefahr für Kinder und Jugendliche dar.“

Teenstar weist die Vorwürfe zurück: Die Unterlagen seien nicht aktuell

Auch die Intitatoren des Frauen-Volksbegehrens loben die schnelle Reaktion des Ministeriums. „Wir begrüßen, dass das Bildungsministerium erst einmal weitere Kurse der Organisation untersagt hat und gehen davon aus, dass es nach abgeschlossener Prüfung zu einem dauerhaften Verbot kommt. Ebenso müssen auch die anderen Vereine überprüft werden“, so Intitatorin Lena Jäger und Vorstandsmitglied Christian Berger.

Helga Sebernik, Religionslehrerin aus Niederösterreich und Leiterin von Teenstar Österreich, erklärte dem Falter, dass die Unterlagen nicht aktuell seien und „laufend aktualisiert“ würden. Gegenüber Ö3 weist auch der Anwalt von Teenstar die Vorwärfe zurück und betont, dass es eine entsprechene Weisung des Ministeriums noch nicht gebe.