Karl Lagerfeld ist tot

Der Chanel-Kreativdirektor starb im Alter von 85 Jahren

Karl Lagerfeld
Siebbi/Wikimedia - CC BY 3.0

Karl Lagerfeld ist tot. Der deutsche Modeschöpfer ist nach Angaben französischer Medien heute früh gestorben. Er wurde 85 Jahre alt. Im Jänner war er zum ersten Mal in seiner Zeit als Kreativdirektor beim Modelabel Chanel nicht bei einer Modeschau anwesend, was Spekulationen nährte.

Seit 1983 stand Karl Lagerfeld dem Modehaus Chanel vor

Er stand dem Modehaus seit 1983 vor. Chanel begründete sein Fehlen damals mit „Müdigkeit“. Sorgen um seinen Gesundheitszustand wurden bis zuletzt dementiert. Lagerfeld hat sich sogar Anfang Februar selbst per Video-Botschaft gemeldet. In einem kurzen Clip gratulierte er der ehemaligen Vogue-Chefredakteurin Carine Roitfeld zu einer Million Followern ihres neuen Magazins auf Instagram.

Im Jahr 2015 sagte er noch in einem Interview, dass er zu beschäftigt sei, um in Pension zu gehen. Bis zuletzt entwarf er noch Kollektionen, neben acht pro Jahr für Chanel auch zwei für Fendi und sein eigenes Label.

Lagerfeld verstand wie kein Zweiter, wie man Mode erfolgreich machte und verkauft

Seine Karriere begann Mitte der Fünzigerjahre, als sich der Sohn aus gutem Hamburger Hause im Alter von 21 Jahren in Paris seinen Weg gemeinsam mit Yves Saint Laurent bahnte. Beide gewannen in unterschiedlichen Kategorien den ersten Preis eines Wettbewerbs des internationalen Wollsekretariates.

Nach Stationen bei unterschiedlichen Modehäusern überträgt ihm die Wertheimer-Familie die Kreativdirektion des Hauses Chanel, das mehr als ein Jahrzehnt nach dem Tod seiner Gründerin in der Bedeutungslosigkeit zu versinken droht. Er schaffte es, aus Chanel eine hochprofitable Weltmarke zu machen.

Von 1980 bis 1984 lehrte Karl Lagerfeld in Wien als Leiter der Modeklasse an der Universität für Angewandte Kunst. „Im Grunde hat mich die Einbildung, die Prätention der Schüler zum Aufhören veranlasst. Die kamen sich nämlich immer wie die verfolgten Genies vor, die das Kapital gegen sich hätten“, erinnerte er sich nachher an diese Zeit.

Nach dem Tod seines langjährigen Partners Jacques de Bascher hatte Lagerfeld keine Beziehung mehr

Sein Privatleben hielt Karl Lagerfeld so gut es ging unter Verschluss. Eine wirkliche Beziehung hatte Karl Lagerfeld nach dem Tod seines 1983 an Aidserkrankten Partners Jacques de Bascher im Jahr 1989 nicht mehr. Er lebte nach eigener Aussage bevorzugt allein.

Allerdings hat er sich dem Magazin Vice gegenüber im Jahr 2010 sehr offen geäußert: „Ich bevorzuge einen High-Class-Escort-Service”, so der Chanel-Designer. „Ich kann nicht mit Menschen schlafen, die ich liebe. Sex ist eine Sache, die vergänglich ist, aber Liebe kann für immer halten. Das ist doch eine gesunde Sache! Und für reiche Leute auch machbar.”

Die Öffnung der Ehe wunderte Lagerfeld

Zum Thema Homosexualität erinnerte sich Karl Lagerfeld in dem Interview: „Als ich ein Kind war, habe ich meine Mutter gefragt, was Homosexualität ist. Das ist 100 Jahre her – dafür war sie aber sehr offen: Meine Mutter sagte, dass Homosexualität wie Haarefärben sei: nichts. Manche sind blond, andere brünett. Es sei einfach kein Thema. Das war wirklich eine sehr gesunde Einstellung.“

Die Öffnung der Ehe verwunderte den Modezaren allerdings: „In den 60ern sagten alle, dass wir das Recht haben, anders zu sein. Und jetzt wollen alle plötzlich ein bürgerliches Leben führen“, schüttelte Lagerfeld in dem Vice-Interview den Kopf.

Wie Paris Match berichtete, wurde er gestern Abend ins L’Hôpital Américain, dem amerikanischen Krankenhaus, gebracht, wo er heute vormittag starb. Über die Todesursache ist nichts bekannt.