Teenager und dessen Vater missbraucht: 19-Jähriger tötet Priester mit Kruzifix

Die Kirche wusste seit Jahrzehnten von den Umtrieben des Pfarrers

Kruzifix
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In Frankreich steht ein 19-Jähriger im Verdacht, einen 91 Jahre alten Priester umgebracht zu haben – mit einem Kruzifix. Das Opfer soll Medienberichten zufolge sowohl den Teenager als auch dessen Vater sexuell missbraucht haben. Die Kirche soll den Geistlichen gedeckt haben.

Der 91-jährige Geistliche war an einem Kruzifix in seiner eigenen Wohnung erstickt

Zwischen 1960 und 2000 soll Roger Matassoli Dutzende junge Burschen in seiner Gemeinde missbraucht haben – am 4. November wurde die Leiche des Priesters in seinem Haus in Agnetz, einer 3.000-Einwohner-Gemeinde im Norden Frankreichs, entdeckt.

Medien berichten, dass der 91-Jährige an einem Kruzifix erstickt war, das ihm in die Kehle gerammt wurde. Dem Obduktionsbericht zufolge zeigte sein gesamter Körper Spuren von Gewalt, unter anderem war ihm auf Kopf und Bauch geschlagen worden.

Ein 19-Jähriger soll die Tat begangen haben, nachdem er erfahren hat, dass der Priester auch seinen Vater missbraucht hat

Die Polizei nahm nach der Tat den 19-jährigen Alexandre V. fest. Er hatte als Haushälter bei dem Priester gearbeitet und war ohne Führerschein mit dem Auto des Geistlichen unterwegs. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schließlich neben dem Diebstahl auch Folter, Mord und Widerstand gegen die Staatsgewalt vor.

Der Teenager erklärte, sich an die Tat nicht erinnern zu können. Vor Gericht machte er von seinem Schweigerecht Gebrauch. Nach einem Selbstmordversuch wurde der 19-Jährige in die Psychiatrie eingewiesen. Auslöser der Tat soll gewesen sein, dass der Bursche erfahren hat, dass der Priester sich auch schon seinen Vater vergewaltigt hat.

Der Großvater des Burschen soll sich getötet haben, als er vom Missbrauch seines Sohnes erfahren hat

„Dieser Mann hat eine ganze Familie kaputt gemacht“, sagte der Vater des Verdächtigen der Tageszeitung Le Parisien über den Priester. Denn er soll nicht nur Alexandre V. und dessen Vater sexuell missbraucht haben – der Großvater des Verdächtigen soll sich umgebracht haben, nachdem er erfahren hatte, dass sein Sohn von dem Priester missbraucht worden ist.

Dass Pater Matassoli sich vier Jahrzehnte lang an den Burschen seiner Gemeinde vergehen konnte, lag vor allem daran, dass die römisch-katholische Kirche in diesem Fall den Sünder deutlich stärker liebte als die Sünde. Bereits im Jahr 1967 wurde der Priester zum ersten Mal versetzt, nachdem entsprechende Vorwürfe aufgekommen waren.

Mehrere Opfer des Pfarrers haben sich gemeldet. Im Jahr 2009 soll Pater Matassoli schließlich wegen Missbrauchs von der Kirche seines Amtes enthoben worden – im Alter von 81 Jahren. Auf der Gehaltsliste der Diözese Beauvais blieb der Priester aber noch bis 2018. Eine strafrechtliche Aufarbeitung der Vorwürfe vor einem weltlichen Gericht gab es nie.