UNO rügt Österreich wegen Operationen an intersexuellen Kindern

Betroffenenverbände fordern Verbot, Grüne wollen dieses umsetzen

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Österreich verletzt die Rechte intersexueller Kinder und muss deren Schutz sicherstellen. Zu diesem Schluss kommt der UNO-Kinderrechtsausschuss bei seiner 83. Sitzung, die Ende Jänner stattgefunden hat. Vertreter intersexueller Menschen und der Politik sehen nun die Zeit zum Handeln gekommen.

Intersex-Genitalverstümmelungen sind in Österreich noch immer an der Tagesordnung

So kritisierte der UN-Ausschuss, dass in Österreich noch immer medizinisch nicht notwendige Behandlungen an intergeschlechtlichen Kindern vorgenommen werden. Diese Intersex-Genitalverstümmelungen (IGM) betreffen vor allem Kinder, die zu diesen Eingriffen nicht ihr bewusstes Einverständnis geben konnten. Dies sei eine „schädliche Praxis“, heißt es. Bereits im Jahr 2015 kritisierte der ein anderer UN-Ausschuss, nämlich der gegen Folter, Österreich für diese „grausame, unmenschliche und erniedrige Behandlungen“.

„Wir hoffen, dass diese erneute, sehr klare Rüge von der österreichischen Regierung aufgegriffen wird und nun endlich zu einem Verbot von IGM führt“, so Luan Pertl von der Plattform Intersex Österreich und dem Verein Intergeschlechtlicher Menschen Österreich (VIMÖ). Diese Rüge mache auch deutlich, dass die aktuellen Empfehlungen des Gesundheitsministeriums keinen ausreichenden Schutz vor IGM böten, ergänzt Tobias Humer von VIMÖ: „Es braucht noch eindeutigere Bestimmungen.“

Ernst-Dziedzic: „Ende der Genitalverstümmelungen im Regierungsprogramm“

Eine Forderung, die auch die österreichische Innenpolitik aufgreift. Bei IGM handle es sich um Menschenrechtsverletzungen, deren Verbot die UNO zu Recht fordere, sagt Ewa Ernst-Dziedzic, Vizeklubchefin und Menschenrechtssprecherin der Grünen: „Im Regierungsprogramm haben wir uns darauf geeinigt, Genitalverstümmelung den Kampf anzusagen. Wir müssen endlich dafür Sorge tragen, dass die körperliche Unversehrtheit intergeschlechtlicher Kinder in Österreich garantiert ist.“

Ralph Schallmeiner, Gesundheitssprecher der Grünen, ergänzt: „Es gibt aus medizinischer Sicht keinen Grund, warum diese Eingriffe unmittelbar nach der Geburt stattfinden sollten. Geschlechtsangleichende Maßnahmen müssen immer die persönliche Entscheidung der Betroffenen sein. Unsere Aufgabe muss es sein, Druck von den Eltern zu nehmen und dafür zu sorgen, dass am Ende die Jugendlichen selber frei entscheiden können.“

Auch Yannick Shetty, LGBTIQ-Sprecher der Neos, fordert die Bundesregierung auf, IGM und sonstige nicht-notwendige, kosmetische Genitaloperationen an Intersex-Kindern und -Jugendlichen gesetzlich zu verbieten. „Es muss für die körperliche Unversehrtheit intergeschlechtlicher Kinder Sorge getragen werden“, so Shetty.