[Video] Schwuler Charakter in türkischer Serie? Shitstorm gegen Netflix

Der Streaming-Gigant nimmt zu den Gerüchten keine inhaltliche Stellung

Love 101
Netflix

Heute beginnt in der islamischen Welt der Fastenmonat Ramadan. Der Streaming-Gigant Netflix startet einen Tag nach dem Beginn des Familienfests in der Türkei eine neue Serie – doch nun gibt es Boykott-Aufrufe, weil eine Figur der Serie schwul sein soll.

In der Serie geht es um eine Gruppe von Außenseitern, und wie sie die Liebe finden

In der achtteiligen Serie „Love 101“ geht es um eine Gruppe von Außenseitern im Jahr 1998: Als ihre Lieblingslehrerin die Stadt verlassen will, fürchten sie, von der Schule zu fliegen. Sie setzen deshalb alles daran, dass sich die Lehrerin in den neuen Basketballcoach verliebt. Dabei realisieren die 17-Jährigen gar nicht, dass sie gerade selbst die Liebe entdecken.

Nun haben in den letzten Wochen in der Türkei Gerüchte die Runde gemacht, dass eine Figur der Serie schwul sein soll. Das sorgt in dem konservativen Land für Unruhe und Empörung. In Umlauf gebracht hat die Gerüchte ein mittlerweile gelöschter Twitter-Account. Nun wird der Streamingdienst von empörten Türken der „Normalisierung der Immoralität“ bezichtigt, mit der Premiere im Ramadan habe sich Netflix zum „Feind des Islam“ gemacht.

Auch der oberste Rundfunk-Wächter warnt Netflix

„Netflix versucht, die Unmoral unter dem Namen ‚Love 101‘ zu normalisieren“, schreibt ein User auf Twitter – dieser Tweet erhielt etwa 13.000 Likes. Ebubekir Sahin, Präsident des Obersten Rates für Radio und Fernsehen (RTÜK) machte gegenüber der regierungstreuen türkischen Zeitung Yeni Akit sogar klar: „Wir werden keine Sendungen tolerieren, die den nationalen und spirituellen Werten unserer Gesellschaft zuwiderlaufen.“

Allerdings: Mehr als die offizielle Inhaltsangabe ist über „Love 101“ derzeit noch gar nicht bekannt. Netflix selbst wollte die Gerüchte weder bestätigen noch dementieren. „Gefälschte Konten verbreiten Unwahrheiten… glaubt nur uns, wenn es um die Serie und die Figuren geht – nicht den Gerüchten“, so der Streamingdienst in einer Stellungnahme.

Netflix selbst sagt zu den Gerüchten nichts

Der türkischen Tageszeitung Hürriyet zufolge sind die meisten Türken hingegen positiv gegenüber „Love 101“ eingestellt. Auf Twitter lehnen User das Instrumentalisieren von „Religion zur Legitimation ihres Hasses auf Homosexuelle“ kategorisch ab.

Homosexualität ist in der Türkei zwar bereits seit 1858 legal, in der Gesellschaft aber stark tabuisiert. Die religiös-konservative Regierung verstärkt diese Tabuisierung noch. So hat unter anderem der Gouverneur von Ankara rechtswidrig alle LGBT-Veranstaltungen verboten. Die Istanbul Pride wird seit Jahren nicht mehr genehmigt, Proteste dagegen werden von der Polizei regelmäßig mit Gummiknüppeln, Wasserwerfern und Tränengas aufgelöst.