Start Politik Inland Rotes Kreuz verbietet noch immer allen schwulen Männern die Blutspende

Rotes Kreuz verbietet noch immer allen schwulen Männern die Blutspende

Neue Regelung, die seit Dezember gilt, wird frühestens im Herbst umgesetzt

Blutkonserven
Symbolbild - Rotes Kreuz

Seit Dezember 2019 dürfen schwule und bisexuelle Männer in Österreich Blut spenden, wenn sie zumindest ein Jahr lang keinen Sex mit einem anderen Mann hatten. Eine Regelung, die für viele Experten noch immer diskriminierend ist, aber nach dem zuvor geltenden Totalverbot zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Doch ausgerechnet die größte Blutspende-Organisation Österreichs, das Rote Kreuz, ignoriert diese neue Regelung.

Ein gutes halbes Jahr nach der Änderung der Richtlinien hat das Rote Kreuz seine Praxis noch nicht umgestellt

Wie Yannick Shetty, LGBTI-Sprecher der Neos, auf Twitter schreibt, habe sich ein Betroffener an ihn gewandt: Dieser habe auf der Homepage des Roten Kreuzes noch die alte Regelung – lebenslange Sperre bei bereits einem gleichgeschlechtlichen Sexualkontakt – gefunden. Und auch bei der Blutspende erlebte der Betroffene, dass das Rote Kreuz Männer, die auch nur einmal im Leben Sex mit einem Mann hatten, lebenslang für die Blutspende sperrt.

Tatsächlich sind auf der Homepage des Roten Kreuzes noch die alten medizinischen Fragen zu finden. „Waren Sie jemals einem (auch einmaligen) Risiko einer sexuell übertragbaren Infektion (z.B. Hepatitis B, Hepatitis C, HIV) durch Intimpartner mit Risikoverhalten ausgesetzt? Z. B.: Hatten Sie als Mann Sex mit einem anderen Mann?“, steht dort. Als Stand dieser Fragen ist der 1. Dezember 2018 angegeben. Die neuen Richtlinien, die seit gut einem halben Jahr in Kraft sind, werden beim Roten Kreuz also noch nicht umgesetzt. Das bestätigt auch eine Sprecherin gegenüber GGG.at.

Für den Europäischen Gerichtshof war bereits 2015 das Totalverbot von Blutspenden für schwule Männer rechtswidrig

Dabei hat der Europäische Gerichtshof bereits 2015 festgestellt, dass ein generelles Blutspendeverbot von schwulen und bisexuellen Männern gegen Unionsrecht verstößt. Andere EU-Staaten haben ihr Blutspenderecht bereits fairer gemacht.

In Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien bestimmt bereits das individuelle Verhalten der Spender deren Eignung und nicht deren sexuelle Orientierung. Auch Frankreich ist von der Zwölf-Monats-Regel abgekommen, es sind dort nur mehr vier Monate Wartezeit, ab 2022 könnten homo- und heterosexuelle Blutspender vollkommen gleich behandelt werden.

Die diskriminierenden Richtlinien werden beim Roten Kreuz noch mindestens bis Herbst weiterbestehen

Das Rote Kreuz erklärt gegenüber GGG.at, dass die österreichweite Einführung eines neuen Fragebogens, der auch die geänderte Situation für schwule und bisexuelle Männer berücksichtigt, für Frühjahr geplant war. Wegen der Corona-Krise werde die Änderung aber frühestens im Herbst geschehen. „Wir hoffen, die Umstellung so rasch wie möglich nachholen zu können“, so die Sprecherin.

„Da der Bereich der Blutspende vielen strengen Sicherheitskriterien unterliegt, geht es bei der Umstellung auf den neuen Fragebogen nicht nur um die Änderungen eines Einzeldokuments“, heißt es vom Roten Kreuz. Die Umstellung betreffe auch IT-Schnittstellen, um den Fragebogen maschinell verarbeitbar zu machen, Dokumentationsabläufe, die Anpassung von Infomaterialien, Schulungen und mehr. 

Andere Blutspende-Einrichtungen, zum Beispiel Plasmazenten, haben ihre Praxis allerdings schon an die neuen Regeln angepasst. Dass gerade das Rote Kreuz, dessen Nähe zur Bundesregierung in der Corona-Krise wiederholt für Kritik gesorgt hat, seit gut einem halben Jahr die geltende Blutspende-Richtlinie und Unionsrecht ignoriert, ist für Shetty trotzdem unverständlich.

„Jede Spende kann Leben retten“: Shetty fordert Anschober zum Handeln auf

„Jede Spende kann Leben retten. Gerade das Blutplasma von Covid-positiven Patienten ist gefragt. Es ist unverständlich und unverantwortlich, dass schwule und bisexuelle Männer weiterhin pauschal und lebenslang von der Blutspende ausgeschlossen werden“, so der Neos-Abgeordnete gegenüber GGG.at.

Er fordert Gesundheitsminister Rudolf Anschober von den Grünen zum Handeln auf. „Es kann nicht sein, dass das Rote Kreuz als wichtigste Blutspendeeinrichtung Österreich gegen die Empfehlungen der Blutkommission handelt und gegen die EU-Grundrechtecharta verstößt“, so Shetty.