Community gedenkt am 75. Jahrestag der Befreiung von Mauthausen

Bis heute gibt es für homosexuelle NS-Opfer keine Entschädigung oder offizielle Entschuldigung

NS-Mahnmal in Mauthausen
Wikimedia

Heute vor 75 Jahren ist das Konzentrationslager Mauthausen von US-Streitkräften befreit worden. Nicht einmal die Hälfte der etwa 200.000 Insassen überlebte den NS-Terror, Unter ihnen waren auch Angehöriger sexueller Minderheiten – darunter schwule Männer, deren Uniformen mit dem rosa Winkel gekennzeichnet waren, und lesbische Frauen, die als „Asoziale“ mit dem schwarzen Winkel gebrandmarkt wurden.

Für manche Häftlinge – auch schwule Männer – war die Befreiung nicht die Freiheit

„Unsere Verantwortung gilt den 100.000 Menschen, großteils jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Mauthausen zum Opfer fielen. Menschen mit Behinderung, Roma und Sinti, Homosexuelle, Widerstandskämpfer und Menschen mit anderen Meinungen verloren an diesem Schicksalsort für Österreich ihr Leben. Ihnen allen sind wir in der Pflicht“, so Bundeskanzler Sebastian Kurz von der ÖVP zum Jahrestag der Befreiung.

Für manche Gefangene bedeutete die Befreiung aber nicht die Freiheit. Häftlinge, die den rosa Winkel trugen, mussten ihre Haftstrafen nach dem berüchtigten „Paragraf 175“ weiter in Gefängnissen absitzen. Bewährungsstrafen, die durch das NS-Regime verhängt wurden, wurden auch nach Kriegsende exekutiert. Die Betroffenen wurden weiterhin verfolgt, ausgestoßen und stigmatisiert.

„Nach dem Unrecht, das Lesben und Schwulen im NS-Regime widerfuhr, ist es unsere Aufgabe, das Andenken an sie zu bewahren“

„Die Geschichte von LGBT-Opfern ist bis heute nur unvollständig bekannt und erforscht. Zu lange wurde mit der Aufarbeitung gewartet. Nach dem Unrecht, das Lesben und Schwulen im NS-Regime widerfuhr, ist es unsere Aufgabe, das Andenken an sie zu bewahren und daran zu erinnern“, so Josef Lindner jun., der Obmann der HOSI Salzburg.

Daran erinnert auch Ewa Ernst-Dziedzic, LGBTI-Sprecherin der Grünen und Vize-Klubobfrau im Parlament. „So wurden Lesben und Schwule lange nicht als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt und bis weit in die Zweite Republik strafrechtlich verfolgt.“ Noch bis 2002 wurden Homosexuelle in Österreich durch Sondergesetze kriminalisiert und diskriminiert.

Homosexuelle NS-Opfer mussten lange um ihre Anerkennung kämpfen

Einen Aspekt, den auch Mario Lindner, Bundesvorsitzender der sozialdemokratischen LGBTI-Initiative SoHo an diesem Tag herausstreicht: „Gerade die homosexuellen NS-Opfer mussten lange um ihre Anerkennung als Opfergruppe kämpfen. Sie alle verdienen eine Entschädigung und die offizielle Entschuldigung unserer Republik!“

„Eine Anerkennung nach dem Opferfürsorgegesetz wurde über Jahrzehnte hinausgezögert und schließlich im Jahr 2005 durchgesetzt, als es kaum mehr Überlebende gab, die einen Anspruch geltend machen konnten“, ergänzt Gabriele Rothuber, Obfrau der HOSI Salzburg. Eine offizielle Entschuldigung der Republik oder eine automatische Streichung der Verurteilungen nach diesen homophoben Gesetzen gibt es bis heute nicht.

Bereits im Jahr 1984 waren es die Homosexuellen Initiativen Österreichs, die in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen eine Gedenktafel für homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus anbrachten. Damit konnte ihnen an diesem dunkelsten Ort der österreichischen Geschichte würdig gedacht werden. „Wir bedauern, dass es uns aufgrund der bestehenden Situation dieses Jahr nicht möglich ist, eine Befreiungsfeier abzuhalten“, sagt Markus Steup, Referent des Antifaschistischen Komitees der HOSI Wien.

„Es ist wichtig, dass wir erinnern und die Opfer nicht vergessen. Gleichzeitig sollten wir aber auch nicht vergessen, dass das gegenwärte Gedenken sich oft in Phrasen erschöpft. Seine wichtigste Aufgabe bestand darin, dass künftige Generationen die Fehler der Geschichte nicht wiederholen“, so Steup weiter.