Katholische Jugend fordert Segnung homosexueller Paare

Auch andere kirchliche Organisationen und Bischöfe können sich eine solche Segnung vorstellen

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Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Aachen fordert eine Segnung von schwulen und lesbischen Paaren in der römisch-katholischen Kirche. Und damit sind sie nicht alleine – neben anderen Laienorganisationen sprechen sich auch immer mehr Bischöfe für einen neuen Umgang der Kirche mit sexuellen Minderheiten aus.

Kirche müsse gleichgeschlechtliche Partnerschaften „aufrichtig wertschätzen“

So fordert der Jugendverband Ende Jänner in einem einstimmigen Beschluss seiner Diözesanversammlung vom Aachener Bischof Helmut Dieser, einen entsprechenden Segensritus einzuführen. Außerdem werde von der katholischen Kirche erwartet, dass sie gleichgeschlechtliche Partnerschaften „aufrichtig wertschätze“.

Der römisch-katholischen Lehre zufolge sind homosexuelle Empfindungen zwar keine Sünde – Homosexuellen müsse „mit Achtung, Mitleid und Takt“ begegnet werden, heißt es im Katechismus. Diese Empfindungen aber auszuleben sei „an sich nicht in Ordnung“. Denn Sexualität dürfe nach dem katholischen Verständnis nur in der Ehe ausgelebt werden, die dem Katechismus zufolge heterosexuellen Paaren vorbehalten bleibt.

Deshalb lehnt die römisch-katholische Kirche eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare derzeit prinzipiell ab. Außerdem fürchte man, dass Gläubige eine solche Segnung mit dem Sakrament der Eheschließung verwechseln könnten. Die zivile Ehe steht schwulen und lesbischen Paaren in Deutschland allerdings bereits seit 2017 offen, auch einige evangelische Landeskirchen haben die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet.

Auch einige Bischöfe können sich eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare vorstellen

Doch auch unter deutschen Katholiken hat in den letzten Jahren eine lebendige Diskussion um die Rolle gleichgeschlechtlich liebender Menschen in der Kirche entwickelt. So sprach sich etwa der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode als Erster dafür aus, über eine Segnung homosexueller Paare nachzudenken – auch, wenn er betont, dass es wichtig sei, den Unterschied zur Ehe deutlich herauszustellen.

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, kann sich ebenfalls Segnungsfeiern für Lesben und Schwule vorstellen. Er sehe „da eigentlich keine Probleme“, sagte er schon im Februar 2018. Im November 2020 hat sich schließlich auch der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers für solche Segnungen ausgesprochen. Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) spricht sich seit Längerem dafür aus, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen.

Doch letztendlich hat keiner der Ortsbischöfe bis jetzt versucht, diese Grenzen seiner Befugnisse auszuloten – denn ausdrücklich verboten sind solche Segensfeiern in den entsprechenden Richtlinien nicht. Und so müssen schwule und lesbische Katholiken, die für ihre Beziehung den Segen Gottes erbeten, vermutlich weiter warten, bis es zu einem Machtwort aus Rom kommt.