Model aus Schwulenhass halbtot geprügelt – kein Gefängnis für Täter

Wegen des "guten Charakters" des Angreifers wird die Haft zur Bewährung ausgesetzt

Ryan Williams
Ryan Williams/Facebook

Ein unglaubliches Urteil hat ein Richter im britischen Preston gesprochen: Ein 19-Jähriger, der einen jungen Mann krankenhausreif geprügelt hat, weil dieser schwul ist, kommt mit einer Bewährungsstrafe davon – weil er vor der Tat einen „guten Charakter“ gehabt habe. Nun steigt das Opfer auf die Barrikaden.

Der 24-Jährige wurde zum Opfer, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war

Es war am 13. Juli 2019, als Brandon Forrester in der Nähe des Gay Village von Manchester ausgiebig seinen 18. Geburtstag feierte. Er war schon ziemlich betrunken, als vor einem McDonald’s zufällig der 24-jährige Ryan Williams an ihm vorbeiging. Aus purem Schwulenhass beschimpfte Brandon F. den ihm Unbekannten zunächst.

„Schwulsein ist falsch“ und „Ihr solltet alle sterben“ soll der 18-Jährige seinem Opfer zugerufen haben – bevor er wie von Sinnen auf ihn eingeschlagen hat. Ryan Williams kann sich daran nicht mehr erinnern. Er wachte erst im Krankenhaus wieder auf, als er die Stimme seiner Mutter hörte.

Wegen seines „vorherigen guten Charakters“ gibt es für den Angreifer nur Bewährung

In erster Instanz wurde der Täter wegen des Angriffs zu neun Monaten Haft verurteilt. Wegen seines „vorherigen guten Charakters“ und Verzögerungen aufgrund der Corona-Pandemie reduzierte Richter David Potter später aber die Strafe für den 18-Jährigen auf 18 Monate auf Bewährung.

Dass Brandon Forrester wegen eines solchen Angriffs schlussendlich nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, lässt Ryan Williams fassungslos zurück. „Als der Richter sagte, das Urteil wird zur Bewährung ausgesetzt, bin ich einfach gegangen. Ich wusste nicht, wie ich mich fühlen sollte.“ Er bricht deshalb sein Schweigen und zeigt Bilder von den Verletzungen, die ihm der Schläger verpasst hat.

„Nach dem Verfahren hat er meiner Mutter ins Gesicht gelacht“

Denn von Reue war bei dem 18-Jährigen keine Spur: „Nach dem Verfahren hat er meiner Mutter ins Gesicht gelacht“, erinnert sich Williams gegenüber der britischen Boulevardzeitung Daily Mirror. Das milde Urteil hält er für „widerlich“ – die Verletzungen hätten ihn fast das Leben gekostet, er ist bis heute durch den Angriff traumatisiert und brauchte Monate, bis er wieder einschlafen konnte.

Sein Gesicht ist heute von Narben durchzogen, er musste deshalb seine Karriere als Model und Drag Queen aufgeben. Stattdessen arbeitet er jetzt für ein Spielcasino in seiner Heimatstadt, fährt nicht mehr nach Manchester und sucht Trost im Alkohol. „Ich habe mein Selbstbewusstsein verloren. Davor war ich selbstbewusst und lebendig. Aber jetzt zerbreche ich mir endlos den Kopf über alles, was ich tue“, sagt er der Zeitung.

„Die Leute denken, es gibt heute kaum noch Homophobie“, ist seine bittere Bilanz: „Aber solche Dinge passieren immer noch – nur, weil manche Menschen so sind, wie sie sind.“