Blutspende: Kompromiss reicht Community-Vertretern nicht

Graupner: „Danke, Grüne, für den Wortbruch“

Blutkonserven
Symbolbild - Rotes Kreuz

Eigentlich hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober von den Grünen letztes Jahr versprochen, bei der Blutspende die diskriminierenden Bestimmungen für schwule und bisexuelle Männer sowie für trans Personen abzuschaffen. Nun hat das Ministerium bekanntgegeben: Männer, die Sex mit Männern haben, sollen in Österreich künftig schon vier Monate nach ihrem letzten gleichgeschlechtlichen Sex Blut spenden können. Bis jetzt hat die Wartezeit zwölf Monate betragen.

Ministerium soll für die nächsten Schritte an Tempo zulegen

Auch Anschober betont, dass diese Entscheidung nur ein erster Schritt für eine vollkommen diskriminierungsfreie Blutspende ist, bei der nach persönlichem Risikoverhalten entschieden wird und nicht nach Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. Doch die österreichischen LGBTI-Organisationen fordern, dass das Ministerium hier an Tempo zulegt.

„Danke, Grüne, für den Wortbruch“, kommentiert Helmut Graupner, Präsident des Rechtskomittee Lambda, die präsentierte Änderung auf Twitter. Und für die HOSI Wien will Obfrau Ann-Sophie Otte wissen: „Wie lange müssen wir noch warten? Warum hält Anschober sein Versprechen nicht, dass er uns kurz vor der Wiener Gemeinderatswahl noch gegeben hat?“ Damals hatte Anschober ein Ende der Diskriminierung bis Ende 2020 in Aussicht gestellt.

HOSI Wien kritisiert Rotes Kreuz als „Bremsklotz“

„Einer der größten Bremsklötze“ für eine diskriminierungsfreie Blutspende sei Otte zufolge „ausgerechnet das Rote Kreuz, dessen Experte im zuständigen Ausschuss im Parlament der einzige war, der sich für die Beibehaltung der aktuellen Diskriminierung ausgesprochen hat“. Von den Grünen erwartet sie, dass die Partei ihren Minister in dieser Frage nicht aus der Verantwortung lasse.

Auch der HOSI Linz ist die nun angekündigte Regelung zu wenig. „Das bedeutet, dass es noch lange dauern wird, wenn nicht Jahre, bis die diskriminierende Vorgehensweise bei der Blutspende aufgeboben wird. Wie lange müssen schwule Männer noch warten?“, fragt sich Vereinssprecher Richard Steinmetz. „Diskriminierung darf keinen Platz in diesem Land haben. Auch nicht und schon gar nicht bei Gesundheitsdienstleistungseinrichtungen. Statt neue Studien zu beauftragen und Kommissionen einzurichten ist das sofort umfassend und vollständig zu lösen!“, lautet seine Forderung.

Und auch die HOSI Wien macht klar: „Weniger Diskriminierung ist eine Verbesserung, aber damit ist es nicht getan. Es muss endlich konkret nach Risikoverhalten gefragt werden, nicht unsachlich verallgemeinernd und damit diskriminierend nach Personengruppen“, so Obfrau Otte. Den großen Stimmen der Community reicht dieser erste Schritt des Ministeriums also nicht – und der Kampf für eine wirklich diskriminierungsfreie Blutspende geht unvermindert weiter.