Über 100 katholische Gemeinden segnen gleichgeschlechtliche Paare

#liebegewinnt - ein deutliches Zeichen der Toleranz und Solidarität

Eheringe
Symbolbild - Fotolia

Von München bis Konstanz, von Köln bis Münster: Gegen das ausdrückliche Verbot des Vatikans haben am Montag unter dem Titel „#liebegewinnt“ in rund 100 römisch-katholischen Kirchen deutschlandweit Segnungsgottesdienste für schwule, lesbische und heterosexuelle Paare stattgefunden. Die Glaubenskongregation in Rom hatte im März erklärt, dass Gott „Sünde“ nicht segnen könne.

Keine heimlichen Segnungen mehr

Bei der Aktion sei es bewusst darum gegangen, die Paare öffentlich zu segnen – nicht, um sie vorzuführen, „sondern weil die Initiatorinnen und Initiatoren die zum Teil jahrzehntelange Praxis des heimlichen Segnens als unwürdig empfanden“, heißt es in der Ankündigung der Aktion, die aus einen Graswurzel-Impuls hervorgegangen sei.

Die heimlichen Segnungen seien „unwürdig für die zu segnenden Paare und unwürdig für eine Kirche, die für Menschenzugewandtheit einsteht und in diesen Fragen der sexuellen Orientierung ein Paradigma offenbart, das in keiner Gesellschaft, die sich den fundamentalen Menschenrechten verpflichtet fühlt, mehr tragbar ist“, so die Initiator:innen der Aktion weiter.

Riesige Resonanz von Paaren, die sich segnen lassen wollten

Die Resonanz – nicht nur der Medien, sondern vor allem der Paare, die auf die Gemeinden zugekommen seien – habe sie überwältigt, so die Initiator:innen weiter. Neben gleichgeschlechtlichen Paaren wurden auch Geschiedene gesegnet, die sich nach einer zerbrochenen Ehe neu verliebt hatten.

Eine Aktion dieser Art und Größenordnung ist in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche in Deutschland einmalig. Georg Bätzing, der Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sagte, er sei zwar nicht grundlegend gegen solche Segnungen, kritisierte aber die Initiative: Segnungsgottesdienste seien „nicht als Instrument für kirchenpolitische Manifestationen oder Protestaktionen geeignet“ geeignet, so Bätzing.

Gottesdienste als politischer Akt?

Ähnlich äußert sich Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). „Ich kann das verstehen, weiß nur nicht, ob sich die Intimität der Segenszusage Gottes für eine Liebesbeziehung für einen politisch demonstrativen Akt eignet“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Dem widerspricht Bernd Mönkebüscher, Pfarrer aus Hamm und einer der Initiatoren von „#liebegewinnt“: Jeder Gottesdienst sei politisch, betonte er. Die Segnungsgottesdienste seien ein „Schulterschluss mit all denjenigen, die sich von diesem Nein aus Rom verletzt fühlen“. 

Die Aktion sei kein Protest, betonen die Initiatoren

„Das, was Rom jetzt gesagt hat, war nicht neu. Man hatte aber gehofft, dass es nicht mehr gesagt werden würde. Und man hatte gehofft, wenn sich Rom überhaupt noch einmal zu einem solchen Thema äußert, dann moderater und offener“, so der Priester weiter. Bei der Aktion habe es sich nicht um einen Protest gehandelt, diesen Begriff habe erst Bätzing verwendet, betonte Mönkebüscher.

Unterstützung bekommt die Initiative vom Bund der Katholischen Jugend (BDKJ). Er solidarisierte sich am Sonntag ausdrücklich mit den Pfarrern, „die aus Gewissensgründen gleichgeschlechtlichen Paaren den Segen nicht verweigern“. Die Hauptversammlung des BDKJ forderte die deutschen Bischöfe außerdem auf, „einen Segensritus für gleichgeschlechtliche Beziehungen in ihren Diözesen einzuführen“.

Die Glaubenskongregation der römisch-katholischen Kirche hatte im März in einem Responsum klargestellt, dass es nicht erlaubt sei, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu segnen, da solche Verbindungen „nicht als objektiv auf die geoffenbarten Pläne Gottes hin geordnet anerkannt werden“ könnten. Das führte zu zahlreichen Protesten: Rund 280 katholische Theologieprofessor:innen widersprachen den Vorgaben aus Rom. Zahlreiche Kirchen hissten als Zeichen der Solidarität mit gleichgeschlechtlichen Paaren Regenbogenflaggen.