Sonntag, 3. März 2024
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Pride-Flagge als „Kampfsymbol“: Kurier-Chefin pfeift Kollegen zurück

Auf das Posting des stellvertretenden Innenpolitik-Chefs gab es intern zahlreiche Gegenreaktionen

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Der Facebook-Eintrag des stellvertretenden Innenpolitikchefs des Kurier, wonach es sich bei der Regenbogenfahne um das Zeichen einer „radikalen gesellschaftspolitischen Agenda“ handle, hat auch innerhalb der Zeitung für Aufregung gesorgt – und ging für den Verfasser nicht unbedingt gut aus.

Regenbogenfahne als „Kampfsymbol einer radikalen gesellschaftspolitischen Agenda“

Anlass für das Posting war das Hissen der Regenbogenflagge am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) vor dem Parlament durch Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka von der ÖVP. Dieser „versteht offenbar nicht, dass die Regenbogenfahne nicht, wie immer behauptet, ein Zeichen der Toleranz ist, sondern – im Gegenteil – ein Kampfsymbol einer radikalen gesellschaftspolitischen Agenda“, kommentierte der Kurier-Journalist Rudolf Mitlöhner den Termin auf seinem privaten Facebook-Profil.

Das sorgte auch an seinem Arbeitsplatz für Unbehagen. Wie der Standard berichtet, hätten sowohl offen schwul, lesbisch und bisexuell lebende Mitarbeiter:innen als auch der Redakteursausschuss heftig gegen die Wortwahl protestiert. Dabei soll es eine „breite Solidarisierungswelle“ bis in die Geschäftsführung gegeben haben, schreibt der Mitbewerber. Im redaktionsinternen Kommunikationssystem sollen zahlreiche Mitarbeiter:innen ihre Profilbilder mit Regenbogenfahnen geschmückt haben.

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Das Posting führte in der Redaktion zu Protesten – auch in der Chefredaktion

Chefredakteurin Martina Salomon habe Mitlöhner „umgehend nach Bekanntwerden seines Posts ersucht, diesen Eintrag auf seiner privaten Facebookseite zu löschen“, sagte sie auf Nachfrage des Standard. Diesem Ersuchen sei er „sofort nachgekommen“. Der Redaktion schrieb Salomon, dass die gesamte Chefredaktion „selbstverständlich gegen jede Form der Diskriminierung und für Toleranz“ sei.

Dass Mitlöhner seinen Eintrag gelöscht hat, wird von den schwul, lesbisch und bisexuell lebenden Redakteur:innen des Kurier begrüßt. Allerdings würden sie sich in Zukunft „noch mehr Rückhalt wünschen und ein redaktionsweites Bekenntnis zu einem offenen, liberalen und diversen Arbeitsklima, in denen Homophobie, Rassismus, Sexismus und jede andere Art von Diskriminierung nicht toleriert werden“, wie es in einem internen Appell aus diesem Anlass heißt.

Mitlöhner selbst distanzierte sich auf Anfrage des Standard von jeder Diskriminierung Homosexueller, betonte aber, Kritik müsse möglich sein. Er sei „aber überzeugt, dass die LGBTQ-Bewegung eine Agenda verfolgt, die weit über das berechtigte Anliegen der Nichtdiskriminierung hinausgeht“, schrieb er dem Standard in einer Stellungnahme: „Daher sehe ich die Regenbogenfahne, welche für die LGBTQ-Szene steht, eben nicht einfach nur als Symbol von Toleranz und Vielfalt.“

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