Samstag, 13. April 2024
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Olympia: Kurzer Auftritt für erste trans Gewichtheberin

Doch ihre Botschaft ist in der ganzen Welt angekommen

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Sportlich enttäuschend war die erste Teilnahme einer trans Athletin bei einem Einzelbewerb in Olympischen Spielen: Die neuseeländische Gewichtheberin Laurel Hubbard wurde nach drei ungültigen Versuchen in der Gewichtsklasse über 87 Kilo letzte. Dennoch war ihr Auftreten im Tokyo International Forum ein voller Erfolg.

Nach drei Fehlversuchen in der ersten Runde war das Abenteuer Olympia nach zehn Minuten zu Ende

Nur insgesamt zehn Minuten dauerte am Montag der Olympische Auftritt von Hubbard, der von Journalisten auf der ganzen Welt beobachtet wurde. Die sichtlich nervöse 43-Jährige beendete den Wettbewerb nach drei Fehlversuchen über 125 kg im Reißen nicht.

Nach dem letzten misslungenen Versuch formte Hubbard mit ihren Händen ein Herz und verneigte sich zum Abschied. Denn an diesem Abend hat sie Olympiageschichte geschrieben: Die Neuseeländerin war die erste Teilnehmerin, die ihre Geschlechtsidentität angepasst hat. Nach ihrem Auftritt bedankte sie sich beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC), der Gastgebernation Japan und dem Gewichtheber-Weltverband (IWF).

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Dieser habe sie immer unterstützt, so Hubbard: „Sie haben gezeigt, dass Gewichtheben offen ist für alle Menschen auf der Welt.“ Die heute 43-jährige Laurel Hubbard lebte nach ihrer Geburt 35 Jahre lang als Mann. Damals hatte sie eine Zweikampf-Bestleistung von 300 kg gehabt, im Jahr 2019 wies sie eine Zweikampf-Bestleistung von immer noch 285 kg auf.

„Schlechter Scherz“: Hubbards Teilnahme sorgte für heftige Kontroversen

Ihre Teilnahme sorgte für teils heftige Kontroversen. Für ihre Konkurrentin Anna Van Bellinghen aus Belgien war Hubbards Teilnahme ein „schlechter Scherz“, sie befürchtete, dass die Neuseeländerin wegen der langen Zeit in einem männlichen Körper physiognomische Vorteile hätte. Das IOC verwies auf den niedrigen Testosteronspiegel der Athletin.

Doch Hubbard hatte für alle ihre Kritiker eine deutliche Botschaft: „Sport ist etwas für alle Menschen, er ist inklusiv, er gewährt allen Zutritt“, sagte sie nach ihrer Olympia-Premiere, mit noch zitternder Stimme: „Natürlich ist mir bewusst, welche Kontroversen meine Teilnahme an diesen Spielen umgaben.“

„Und darum möchte ich ganz besonders dem IOC dafür danken, das, wie ich denke, wirklich seine Verpflichtung den olympischen Prinzipien gegenüber bekräftigt hat“, so die Neuseeländerin weiter. Denn unterstützt wurde Hubbard vom IOC: Für den Verband um Präsident Thomas Bach war ihre Teilnahme ein Zeichen von Offenheit und Inklusion – Werte, die auch das IOC gerne vergisst, wenn es um das große Geld geht. 

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