Frankreich: Mehr als 210.000 Kinder von Geistlichen missbraucht

Bericht legt erschütternde Zahlen offen

Priester
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In Frankreich hat am Dienstag die unabhängige Untersuchungskommission (CIASE) ihren Bericht über den sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche vorgestellt. Die Zahlen machen sprachlos: Recherchen der Kommission zufolge haben sich seit den 1950er Jahren in Frankreich rund 3.000 Priester und Ordensleute an rund 216.000 Kindern vergangen. 

80 Prozent der Opfer seien Buben im Alter zwischen zehn und 13 Jahren gewesen, 20 Prozent Mädchen unterschiedlicher Altersgruppen. Bei den Taten habe es sich in fast einem Drittel der Fälle um Vergewaltigungen gehandelt. 

Gegenüber den Opfern gab es lange Gleichgültigkeit

„Bis Anfang der 2000er Jahre gab es eine totale und grausame Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern“, so Jean-Marc Sauve, der Leiter der Kommission. Man habe den Betroffenen nicht geglaubt oder ihnen unterstellt, selbst beteiligt gewesen zu sein. Entschädigungen gab es nur selten – und dann auch nur, um Schweigen zu erreichen, so Sauve. 

Die Untersuchungskommission besteht aus 21 Juristen, Medizinern, Historikern und Theologen. Sie war 2018 von der römisch-katholischen Kirche als Reaktion auf den Missbrauchsskandal in der dortigen Kirche beauftragt worden. 

Die Kommission hatte in den vergangenen zweieinhalb Jahren in ganz Frankreich Daten und Fakten aus Archiven der Kirche, der Justiz und den Medien gesammelt. Zusätzlich hat die Kommission Opfer und deren Angehörige befragt. Nun hat sie ihren 2.500 Seiten starken Bericht der Bischofskonferenz übergeben und der Öffentlichkeit präsentiert. 

Veröffentlichung des Berichts ein „schwerer Moment“ für die Kirche

Die Veröffentlichung des Berichts sei ein “schwerer Moment”, so eine Mitteilung der französischen Bischöfe an ihre Kirchengemeinden. Im Sommer 2020 war der zuständige Richter noch von etwa 1.500 Tätern und mindestens 3.000 Opfern ausgegangen. 

Bereits vor kurzem hatte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Eric de Moulins-Beaufort, die Bevölkerung darauf vorbereitet, dass das Ausmaß der Sexualverbrechen im kirchlichen Umfeld “größer als befürchtet” sei.  

Der Untersuchungsbericht beschäftigt sich nicht nur mit der Geschichte der Opfer. Er macht auch Vorschläge, wie diese entschädigt werden können. Denn zahlreiche Fälle sind bereits verjährt und können nicht mehr vor Gericht gebracht werden. Die Kommission empfiehlt der Kirche, auch diese Opfer als solche anzuerkennen. 

Außerdem müssten das Kirchenrecht und die Ausbildung der Priester reformiert werden, fordert Sauve. De Moulins-Beaufort, der auch Erzbischof von Reims ist, betonte, jetzt gehe es darum, die Aufarbeitung weiter voranzutreiben.