Nach Schändung von Ellas Grab: Nun reagiert die Politik

Berliner Innensenatorin Spranger: "Widerliche, transfeindliche Grabschändung"

Symbolbild: Kerze
Symbolbild - Fotolia/saukul

Die Schändung des Grabes der iranischen trans Frau Ella hat in Berlin große Bestürzung hervorgerufen: Wie der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) am Mittwoch bekanntgegeben hatte, war das Grab der Frau, die im September 2021 am Berliner Alexanderplatz Suizid begangen hatte, Anfang Jänner gleich zwei Mal geschändet worden.

Erinnerungsstücke wurden zertrampelt, ein Feuerlöscher und ein Benzinkanister auf dem Grab deponiert

Medienberichten zufolge wurden Erinnerungsstücke am Grab beschädigt und dort ein Feuerlöscher und ein Benzinkanister mit ihrem Namen deponiert – eine zynische Tat, hat sich Ella doch in einer Verzweiflungstat selbst angezündet und ist dann diesen Verletzungen erlegen. „Wir sind erschrocken und zornig, dass die transfeindliche Gewalt gegen Ella selbst nach ihrem Tod weitergeht. Der Anblick ihres geschändeten Grabes ist unerträglich“, so der LSVD in einer ersten Stellungnahme.

Das geschändete Grab hatte Georg Matzel, langjähriger Begleiter von Ella und Vorstandsmitglied des LSVD Sachsen-Anhalt, entdeckt: „Ich wollte Ella nur einen Neujahrsbesuch abstatten, eben kurz am Grab sein, neue Blumen hinlegen. Ich dachte, ich sehe nicht richtig, als ich den Feuerlöscher entdeckt habe“, berichtet er der taz. Drei Tage später sei das Blumengesteck inklusive Regenbogenflagge umgetreten worden, jemand hatte das Grab zertrampelt und die Kerzen zerstört.

Die Täter:innen haben offensichtlich Zeit und Geld in ihr Vorhaben investiert

Es habe es sich nicht um die Tat einiger betrunkener Jugendlicher gehandelt, ist Matzel überzeugt: Die Täter:innen hätten offensichtlich „Zeit und Geld“ in ihr Vorhaben investiert. „Und das alles nur, um ihrem Hass gegen queere Menschen Ausdruck zu verleihen. Das macht einfach fassungslos“, so Ellas langjähriger Begleiter weiter.

Der LSVD stellte bei der Berliner Polizei Strafanzeige gegen Unbekannt. Und dort ist man dementsprechend sensibilisiert: Nachdem die Polizei von einem Zeugen über die Tat informiert wurde, hat sie die Gegenstände sichergestellt, „die Bezug zu den Todesumständen der im September vergangenen Jahres Verstorbenen herstellten und das Andenken an sie verunglimpfen“, so die Polizei am Donnerstag in einer Mitteilung.

Nun ermittelt der Staatsschutz

Die weiteren Ermittlungen habe ein Fachkommissariat des Polizeilichen Staatsschutzes am Landeskriminalamt Berlin übernommen, „da der Verdacht einer transfeindlichen Motivation für die Straftat, Störung der Totenruhe und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener im Raum steht“.

Und auch die Politik hat mittlerweile Stellung bezogen: „Ich verurteile diese widerliche, transfeindliche Grabschändung aufs Schärfste. Hasskriminalität aufgrund sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität hat in unserer Gesellschaft keinen Platz“, betonte die neue Berliner Innensenatorin Iris Spranger von der SPD.

Ella Nik Bayan flüchtete aus dem Iran nach Deutschland. Zunächst lebte die trans Frau in Magdeburg, wo sie sich auch im Regenbogen-Café des LSVD Sachsen-Anhalt engagierte. Später zog sie nach Berlin. Am 21. September 2021 setzte sich die 40-Jährige auf dem Alexanderplatz selbst in Brand, wenig später verstarb sie im Unfallkrankenhaus Berlin an den schweren Brandverletzungen.